Früher als Mädchen und Jugendliche bin ich richtig gern shoppen gegangen. Mit dem Bus ins Rhein Center in Weiden fahren und vom Taschengeld was kaufen oder ab und an sogar richtig in die Stadt, Schildergasse, Hohe Straße. Irgendwann fand ich es aber primär anstrengend: volle Straßen, Gedränge und lange Schlangen an Umkleiden und Kassen. Zum Glück konnte man plötzlich alles online bestellen. Als ich angefangen habe zu arbeiten und plötzlich Geld zum ausgeben hatte, habe ich schon ordentlich eingekauft. Ich habe teilweise 10 Kleider bestellt, obwohl ich nur eins brauchte. Alle anprobiert, neun zurückgeschickt und los, bei jedem Anlass was Neues. Am mit Terminen vollgestopften Samstag (Weekend-Warrior, da Montag – Freitag unterwegs) bin ich meistens kurz bei Massimo Dutti oder einer anderen Marke meines Vertrauens rein und habe mir eine schöne Bluse gekauft. Kleines Trostpflaster, damit ich mich nächste Woche im Büro gut fühle.

Ende 2018 habe ich mir meinen Kleiderschrank angeschaut und mich hat es geschüttelt – da ist viel zu viel drin. Ich habe mich dann entschieden, das gesamte Jahr 2019 mal nichts zu kaufen. Gar nichts. Keine Bluse, kein Kleid, kein T-Shirt, keine Kette, kein paar Schuhe, nichts. Ich habe es auch durchgezogen, bis auf vier Ausnahmen: ein Sport-BH, eine Sporthose, ein Pullover und mehrere Strumpfhosen. Bis auf den Pullover, zu dem es eine andere Geschichte gibt, waren es Kleidungsstücke, die ich wirklich brauchte. Ich habe außerdem auch keine Dinge verschenkt, sondern nur zu verbrauchende Sachen (e.g. Drogerieartikel, Lebensmittel) oder Gutscheine für gemeinsame Aktionen. Mir hat das gutgetan und ich werde 2020 wieder nichts kaufen. Nicht ganz so strikt wie im Experiment-Jahr 2019, vielleicht kaufe ich mir ein, zwei Dinge – aber nur Ausnahmen. Wieso ich 2020 weiter übe, mit dem was ich habe auszukommen? Mehrere Gründe:

  • Mehr Nachhaltigkeit: Wenn man sich mal anschaut, wieviel Kram wir alle besitzen, wird einem ganz anders. Wir haben Kleiderschränke voll mit Klamotten, voll-eingerichtete Wohnungen, ganze Kisten mit Krimskrams und wir kaufen immer mehr. Wir stopfen einmal-nutzbare Dinge in Tüten für Junggesellenabschiede und bedrucken Stifte und Plastikherzen mit Firmenlogos um sie an Menschen zu verteilen, die sie in Taschen vergessen oder gar wegwerfen. Wenn man sowas jetzt im Einzelfall hinterfragt, werden oft die Augen verdreht. ‚Jetzt mach doch hier mit deiner Moralapostelei nicht die Situation kaputt.‘ ‚Man kann doch nicht auf alles verzichten.‘ ‚Aber es ist doch so schön.‘ – Ja, aber wenn wir alle immer denken, dass es bei uns schon irgendwie passt, dann wird die Menge an Zeug, die hergestellt und verkauft wird nicht kleiner. Ich möchte 2020 deshalb weiterhin einen kleinen Beitrag leisten und weniger kaufen.
  • Weniger Chaos im Kopf: Steve Jobs & Co. haben dasselbe Outfit jeden Tag aufs‘ Neue angezogen, um weniger unnötige Entscheidungen treffen zu müssen. Die Forschung sagt, dass man nur eine begrenzte Kapazität für Entscheidungen pro Tag hat. Ich habe auf jeden Fall gemerkt, dass die Tatsache, dass die Option irgendwas zu kaufen vom Tisch war, mich befreit hat. Ich weiß noch, wie ich im März auf Bali durch die Straßen gelaufen bin und es super viele schön aussehende Boutiquen gab. Normalerweise hätte ich mir sicher mal einen Nachmittag genommen, da durch zu schlendern und mir das Angebot anzuschauen. So konnte ich mir das komplett sparen und ‚Soll ich es wirklich kaufen?‘-Situationen vermeiden. Ich würde auch gerne irgendwann mal dahin kommen, dass ich ein und dasselbe Outfit 5x habe und mir die Entscheidungskapazität komplett sparen kann. Aber dafür bin ich aktuell noch zu eitel und zu sehr daran interessiert, mir verschiedene schöne Dinge anzuziehen. Vielleicht mache ich dieses Jahr mal einen Experiment-Monat und teste das.
  • Zeitersparnis: Die Tatsache, dass Kleidershopping keine Option war, hat mir enorm viel Zeit zurückgegeben, die ich für andere Dinge nutzen konnte. Befreiend.

  • Geldersparnis: Natürlich spart man auch eine Menge Geld. Ich habe in 2019 so viel wie nie für auswärts essen gehen ausgegeben, da ich mich plötzlich 7 Tage die Woche selbst ernähren musste… das verzerrt das Ganze für mich in der Rückschau etwas. Aber ich habe ganz sicher einiges gespart.

Also, in Summe hat mir das eine Jahr Shopping-Verzicht gutgetan und mich dazu animiert, das ganze Thema ‚Weniger‘ nochmal intensiver anzuschauen. 2020 wird also wieder nichts gekauft (Kleiderschrank immer noch voll), mindestens 2x richtig aussortiert und ggf. mal einen Monat lang Steve Jobs imitiert. Wäre doch spannend mal zu schauen, wie es ist wirklich einen Monat lang nur ein einziges Outfit anzuhaben. I will keep you posted! 🙂

Happy Monday!

Kategorien: Allgemein

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