Ende September hat in München das Startup-Festival Bits & Pretzels stattgefunden. Da ich aktuell im Leave bin und deshalb auch an Wochentagen flexibel bin habe ich teilgenommen können. Das Ticket hat mich 200 Euro gekostet – nicht wenig, aber im Vergleich zu dem was Unternehmen zahlen echt in Ordnung. Außerdem ging das Festival über zweieinhalb Tage, Verpflegung inkludiert – und der letzte halbe Tag fand auf dem Oktoberfest statt. In Summe war das Ganze sei Geld echt wert. Ich hatte vorher keine klare Vorstellung, was Bits & Pretzels eigentlich genau ist und dementsprechend auch keine richtigen Erwartungen. Ich denke schon länger darüber nach mich selbstständig zu machen und habe mir für den Leave vorgenommen, mich der Start-up-Bubble mal etwas zu nähern und mal zu schauen, wie das alles so funktioniert. Ich wollte einfach die Gelegenheit nutzen Gründern, Investoren und anderen interessierten Menschen näher zu kommen und die Dynamiken besser zu verstehen. Das hat auf jeden Fall funktioniert!

In Kürze: Wie läuft das Festival ab und was kann man erwarten? Sonntagmorgen ging es um 9 Uhr in der Messe München los. Es gab Brezen, Obst, Kaffee und Smoothies zum Frühstück. Den ganzen Tag über gab es eine Start-up Exhibition – das heißt viele Start-ups haben an Ständen erzählt, was sie so machen. So konnten sich potenzielle Investoren, Kunden oder Mitarbeiter informieren. Um 10 Uhr ging es auf der Main Stage los mit Speaker-Programm. Im Laufe der zwei Tage haben Menschen wie Tarana Burke, die Begründerin des Me-Too-Movements, Nico Rosberg, Jan Böhmermann, Ann-Kristin Achleitner und viele weitere dort gesprochen. Auf einigen anderen (themenbezogenen) Stages gab es kurze Präsentationen zu verschiedenen Themen, wie Diversity und Negotiations. Im Bereich ‚Spotlight Stage‘ haben Start-ups sich in Kurzvorträgen vorgestellt. Am Abend gab es ebenfalls Programm: Sonntag gab es auf der Praterinsel eine Afterparty mit Free-Drinks, Montag die Start-up Night im Zentrum von München. Am Dienstag haben sich dann alle Teilnehmer im Schottenhaml-Zelt auf dem Oktoberfest getroffen und an Achter-Tischen mit vorher ausgewählten Table Captains gesessen – ich beispielsweise mit der Deutschland-Chefin von Fujitsu und einer ehemaligen Partnerin von der Unternehmensberatung BCG, die heute die österreichische Regierung in Fragen zu Innovation und Digitalisierung berät. In Summe hat mir das Festival wirklich gut gefallen. Hätte ich eine konkrete Business-Idee gehabt oder sogar schon ein eigenes Start-up, hätte mir das Ganze vermutlich noch mehr gebracht, aber auch so war es schon echt inspirierend.

 

 

Ich  habe im Laufe der 2.5 Tage einiges gelernt – meine fünf ‚Key Take-aways‘ waren:

  1. The right time is now!Genau das hat ein finnischer Typ zu mir gsagt, mit dem ich mich auf der Fahrt vom Messegelände in die Müncher Innenstadt unterhalten habe. Der Finne war Mitte dreißig und hatte in seinem Leben bereits sieben Firmen gegründet, zwei davon betreibt er noch. Er lebt mit Frau und Kind aus Steuergründen in Monaco. Ich habe ihm erzählt, dass ich gerne gründen würde aber mich irgendwie nicht traue beziehungsweise einfach noch nicht sicher bin ob ich wirklich will oder es nicht noch zu früh ist. Er nahm meine Hand uns sagte: ‚Liesa, the right time is now. You will never be ready.‘  Ich glaube er hat Recht. Ich bin zwar immer noch nicht sicher ob ich es durchziehen will und hab auch jetzt nicht danach sofort gehandelt, aber der Satz hat bei mir auf jeden Fall was ausgelöst.

 

  1. Gründer sind coole Menschen.Das Energielevel war die gesamte Zeit einfach der Hammer. Es macht so wahnsinnig viel aus, wenn Leute begeistert sind, vom dem was sie tun und anderen von ihrer Idee überzeugen wollen. Die Stimmung war konstruktiv, positiv und offen. Das generelle Mindset war eher ‚Geht nicht, gibt’s nicht.‘ und keiner wurde belächelt für seine großen Pläne. Ich habe gemerkt wie schön ich das finde unter Visionären, Optimisten und Leuten mit ‚Can-Do‘-Attitude zu sein. Da möchte ich mehr von.

 

  1. Wer was erreichen will muss Fehler machen.Ein relativ bekannter Pokerspieler hat einen Vortrag zum Thema Learnings aus dem Poker angewandt auf die Entrepreneurship-Welt gehalten. Er sagte, dass man rein rechnerisch gesehen wahnsinnig oft verlieren MUSS bevor man etwas Großes gewinnt. Er übertragt es auf die ‚richtige Welt‘ und sagt, dass wir Scheitern akzeptieren lernen müssen. Scheitern ist nicht cool und wir müssen es nicht glorifizieren. Aber wir müssen uns klarmachen dass es einfach passieren kann, nicht nur kann sondern quasi muss. Wer viel macht, wer viel ausprobiert und riskiert, der wird auch mehr Scheitern als jemand der das nicht tun. Scheitern als notwendigen Prozessschritt zu begreifen … das war für mich nochmal ein Mindset-Shift.

 

  1. Protect your energy.Mein zweiter Table Captain am Dienstag – eine Ex-BCGlerin aus Wien – hat mir als Kerntipp für eine erfolgreiche Karriere mitgegeben, dass man seine Energie beschützen muss. Ich bin grundsätzlich mit einem hohen Energielevel gesegnet, aber natürlich gibt es auch Dinge die mir Energie ziehen. Genauso gibt es Sachen die ich tun kann, um meine Energiereserven aufzufüllen. Die Dame hat mir empfohlen, dass ich mir einmal klarmache was diese Dinge sind und dann Energiediebe um jeden Preis vermeide. Ich fand das nochmal einen echt guten Punkt. Klar war mir schon vorher klar, dass gewisse Dinge mir nicht guttun und mich lähmen. Aber mir nochmal explizit Gedanken über Energieräuber zu machen und sie als so problematisch zu begreifen wie sie sind hat mich weitergebracht.

 

  1. Attention is a scarce resource.Wir haben jeden Tag 24 Stunden zu füllen. Davon sollten wir mal mindestens sechs schlafen – bleiben also noch achtzehn Stunden übrig. Dementsprechend können wir einfach nicht alles machen – wir müssen priorisieren, entscheiden worauf wir unsere 18 Stunden Aufmerksamkeit verteilen wollen. Auch das war mir nicht neu – aber als der Speaker das nochmal so gesagt hat ist mir klargeworden, dass ich noch stärker priorisieren muss und mich nicht dafür entschuldigen muss, wenn ich gewisse Dinge einfach nicht mache. Ich habe mich in der Vergangenheit regelmäßig schlecht gefühlt, wenn ich an manchen Terminen einfach nicht teilgenommen habe – aber es ist genau richtig. Ich muss mir klar sein was ich will, Kompass so ausrichten, entsprechend planen und priorisieren und das dann nicht mehr in Frage stellen. Punkt.

 

In Summe war das Festival eine super Erfahrung und ich denke wenn es zeitlich passt bin ich 2019 wieder dabei 🙂

 

Kategorien: Allgemein

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