Soo, nachdem ich vor einigen Wochen schon einmal drei Bücher vorgestellt habe, die ich in letzter Zeit gelesen habe, kommt jetzt Volume II: drei weitere Bücher. Ich freue mich wie über über eure Gedanken und Kommentare, vielleicht habt ihr die Bücher auch schon gelesen 🙂

  • Der Mythos des Sisyphos – Albert Camus

Das Buch von Camus fand ich wirklich schwierig zu lesen. Der Kollege war irgendwie auf sehr außergewöhnliche Art intelligent und schreibt sehr komplex, gleichzeitig romantisierend. Der Titel des Buches ist zwar der Mythos des Sisyphos, tatsächlich ist die Geschichte aber nur auf einigen wenigen Seiten im Buch erzählt – passt aber trotzdem zum Thema des Buches. Camus schreibt über die Frage nach dem Sinn des Lebens und Selbstmord als Schritt aus dem Leben, ein Zeichen dafür, ‚dass man mit dem Leben nicht fertig wird oder es nicht versteht‘. Er spricht über den Grund für Selbstmord, der laut ihm einem Gefühl der Absurdität entspricht. Absurd ist für Camus, dass der Mensch als Handelnder losgelöst ist zwischen dem Rahmen. Der Mensch lebt immer im selben Rhythmus und folgt Routinen ohne etwas zu hinterfragen, bis er sich eines Tages die ‚Warum‘-Frage stellt und Überdruss verspürt, der den Beginn des Absurden manifestiert. Ab jetzt wird es für den Mensch schwer Sinn zu sehen: wir sterben doch eh irgendwann, von daher ist doch alles was wir hier tun, eigentlich sinnlos. Absurd ist für Camus, dass wir als Menschen hin- und hergerissen sind zwischen Hoffnung und Sinnsuche auf der einen Seite und der klaren Todesgewissheit auf der anderen Seite. Er versucht die Frage zu beantworten, ob deshalb Selbstmord die einzig logische Konsequenz ist. Camus findet für sich selbst die Antwort, dass Selbstmord nicht die Lösung ist, sondern der Mensch das Absurde einfach anerkennen und als sein persönliches Schicksal annehmen muss. Der Mensch müsse sich konstant gegen das Absurde auflehnen und die ‚ständige Konfrontation […} mit seiner eigenen Dunkelheit‘ suchen. Er weiß, dass nichts davon wirklich Sinn hat … ‚übrig bliebt ein Schicksal, bei dem nur das Ende unausweichlich ist‘.

Wie kommt jetzt Sishyphos ins Spiel? Der lebt die angesprochene, ewig andauernde Auflehnung des Menschen gegen sein Dasein: Sishypos muss immer und immer wieder einen Stein einen Berg hinaufrollen. Ist er oben angekommen, rollt der Stein wieder runter und alles geht von vorne los. Camus vergleicht Sishyphos mit dem Arbeiter in der Gesellschaft: tagein tagaus geht er zur Arbeit, erledigt immer-gleiche Aufgaben. Er sagt, dass Schicksal dieser Arbeiter sei genauso absurd wie das von Sishyphos – und bei beiden wird es erst tragisch, wenn sie sich der Absurdität ihres Daseins bewusstwerden. Camus schließt sein Buch damit, dass er sagt, dass wir uns Sishyphos trotz allem als einen glücklichen Menschen vorstellen müssen – weil er in dem Moment, in dem er dem herabstürzenden Stein nachgeht, frei ist und selbst entscheidet, sein Schicksal zu akzeptieren. In der Akzeptanz liegt also die Freiheit und in der Freiheit da Glücklich sein. Wie gesagt, irgendwie sehr kompliziert und ich bin auch nicht ganz sicher ob ich alles richtig verstanden habe. Dementsprechend nehme ich auch keine ganz klare Botschaft mit – höchstens, dass Auflehnung gegen die Absurdität unserer Existenz besser ist als Selbstmord. Trotzig unser Leben in allen Zügen auskosten, intensiv leben und ruhig mal ‚Regeln‘ brechen. Wenn doch eigentlich eh alles sinnlos ist haben wir nichts zu verlieren J Falls jemand das Buch gelesen hat und mir noch beim Verständnis entwickeln helfen will – sehr, sehr gerne!

  • …trotzdem Ja zum Leben sagen: Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager – Viktor E. Frankl

Ich habe vor einigen Wochen in einem Blogpost zum Thema Zuversicht (https://liesalier.de/ueber-die-zuversicht-warum-es-sinn-macht-sinn-zu-sehen/) schonmal auf das Buch ‚trotzdem Ja zum Leben sagen‘ referenziert. Hier wollte ich heute noch ein bisschen mehr darüber erzählen, denn es ist – wie ich finde – ein tolles Buch. Der Autor – Viktor Frankl, ein österreichischer Psychologe – war während des zweiten Weltkriegs mehrere Jahre lang in Konzentrationslagern inhaftiert. Seine Frau, seine Eltern und sein Bruder wurden alle von den Nazis umgebracht. Frankl selber hat überlebt und erzählt in seinem Buch von den Erlebnissen in den verschiedenen Lagern.

          Detailliert berichtet er von dem Prozess der Einlieferung und wie schon zu Beginn die arbeitsfähigen von den arbeitsunfähigen getrennt wurden. Letztere gingen sofort ‚ins Gas‘, wie er schreibt. Den anderen werden alle Besitztümer abgenommen und erstmal heißt es nackt in die Dusche und zur Enthaarung. Frankl erzählt detailliert vom Lagerleben, von den Zuständen und Prozessen, aber auch von den sozialen Gefügen innerhalb eines Konzentrationslagers. Dass beispielsweise Häftlinge, die sich durch dominantes Verhalten hervorgetan haben, plötzlich selber zu Wachmännern auf Zeit wurden – und gerade diese besonders sadistisch waren. Aber auch die Momente in denen Mitgefühl durchkam und in denen SS-Männer eine extra Ration Essen bereitstellten oder extrem geschwächten Häftlingen einen Tag Schonung organisierten. Er erzählt auch, dass er selber, wenn er das Gefühl hatte er will nicht mehr, ganz konkret eine Zukunft visualisiert hat, in der er auf einer Bühne steht und über die Erlebnisse im Konzentrationslager berichtet. Er sagt, dass der Mensch fast jedes ‚wie‘ aushalten kann, wenn er denn ein ‚warum‘ dafür hat. Nach mehreren Jahren in verschiedenen Konzentrationslagern kommt Frankl schließlich frei und seine Vision, vor Publikum eine Rede über seine Zeit im KZ wird wahr.

          Für mich war das Buch wichtig. Und irgendwie erschreckend. Ich habe mich ehrlicherweise noch nicht so intensiv mit dem Nationalsozialismus auseinander gesetzt wie ich sollte und so ein KZ-Bericht schockt nochmal ordentlich. Und er relativiert das eigene ‚Leiden‘ ja total. Neben der Wichtigkeit, ein ‚warum‘ für sein Leben zu haben, nehme ich definitiv noch die Erkenntnis mit, dass Gedankenkraft stark ist. Frankl hat erzählt, dass man für eine bestimmte Arbeitsleistung 12 Zigaretten bekam, die man in Suppenrationen tauschen konnte. Aber dass das – da alle Hunger litten – niemand wirklich tat, außer denen, die die Hoffnung aufgegeben hatten und sich entschieden, die letzten Tage lieber zu genießen und zu rauchen. Und die Menschen, die die Zigaretten dann nicht umtauschten und zu rauchen begannen starben dann auch. Ja vielleicht wären sie auch so gestorben – aber ich glaube jetzt nach Frankls‘ Buch noch mehr, dass man mit seinem eigenen Willen wahnsinnig viel erreichen kann.

  • Brené Brown: Braving the Wilderness

Brené Brown habe ich vor ein paar Jahren entdeckt, durch einen Ted Talk zum Thema Vulnerability – Verletzlichkeit, den sie gehalten hat (Link). In diesem Ted Talk erklärt sie, wie wichtig und kraftvoll es ist, Verletzlichkeit im Umgang miteinander zuzulassen. Mich hat dieser Vortrag total erreicht und ich habe danach alle Bücher von ihr gelesen, zuletzt dann ‚Braving the Wilderness‘. In diesem Buch geht es primär um das starke Bedürfnis der Menschen dazuzugehören.

          Das Buch ist in sieben Kapitel gegliedert, die ersten drei sind mehr Einleitung und persönliche Erfahrungen von Brené. Sie spricht darüber, dass wir Vertrauen brauchen, um Das Akronym ‚B R A V I N G‘ steht für: B – Boundaries, Grenzen – die eigenen und die der anderen akzeptieren. R – Reliability, Verlässlichkeit, man muss sich auf dich verlassen können. A – Accountability, gestehe Fehler ein und trage die Verantwortung. V – the Vault, behalte Dinge für dich, die dir anvertraut werden. I – Integrity, immer das machen was richtig ist, nicht das einfache. N – non-judgement, verurteile andere und dich selbst nicht. G – Generosity, sei großzügig in deinen Interpretationen.  In den letzten vier Kapiteln macht sie Vorschläge, wie man Zugehörigkeit erreichen kann und bespricht die Ergebnisse ihrer Forschung. Im Kapitel ‚People are hard to hate close up‘ erklärt sie, dass wir eigentlich alle verbundener sind, als die Medien uns suggerieren. Wenn man Menschen wirklich erlebt, ihnen in die Augen schaut – dann kann man schwer grausam sein, kann schwer Hass empfinden und sich distanzieren. ‚Speak truth to bullshit. Be civil.‘, das zweite Kapitel, sagt, dass es wichtig ist, die Stimme zu erheben, wenn jemand Mist erzählt, auch über andere Personen. Der dritte Vorschlag ist, sich Fremden anzunähern und sie zu berühren – physisch und psychisch – um wirklich Verbindung herzustellen. Das kann Social Media nicht leisten. Im vierten Kapitel sagt Brené, dass wir drei Dinge brauchen – ‚a strong back, a soft front and a wild heart‘ – um liebevoll, erfolgreich, verletzlich und mit dem Gefühl der Zugehörigkeit durch das Leben zu gehen.  

Ich habe viel gelernt von diesem Buch. Das Wichtigste oder Nachhaltigste war glaub ich das G in Braving – Generousity. Brené spricht von ‚generous assumptions‘, die man aufstellen sollte. Also auf Deutsch ‚großzügige Hypothesen‘. Was heißt das? Im Grunde meint es einfach, dass man immer erstmal vom Besten im Menschen ausgeht. Wenn man das beherzigt in jeder Situation anwendet, geht man viel positiver durch das Leben. Ja, kann sein, dass der Autofahrer, der uns gerade angehupt hat, einfach ohne Grund aggro ist. Vielleicht hat er aber auch einen furchtbaren Tag, weil gestern seine Mutter gestorben ist oder er den Job verloren hat. Wir wissen es nicht. Ja, vielleicht ist die Kellnerin immer motzig und einfach im falschen Job. Vielleicht hat sich aber auch ihr Freund heute von ihr getrennt und ihr brennen die Tränen hinter den Augen. Mehr Vertrauen schenken, nicht ständig misstrauisch sein, nicht alles gleich negativ auslegen. Einfach auch mal großzügig sein, beim Verteilen von Verständnis und Liebe 🙂 Das hat definitiv mein Leben verändert.

Soo, das war es für heute. Wenn ihr Lust auf eins der Bücher bekommen habt, freut mich das sehr. Wenn ihr Lust habt, mein Buch zu lesen freut mich das auch sehr 🙂 Ihr bekommt es auf Amazon. Link zum Buch Habt einen schönen Tag!!


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