Ich lese schon immer sehr gerne und viel und lasse mir auch ständig von Leuten um mich herum Buchtipps geben. Drei der Bücher, die ich in der letzten Zeit gelesen habe, wollte ich euch hier mal vorstellen. Vorstellen heißt eine kurze Inhaltsangabe geben und natürlich mein ‚Key Take Away‘ aus dem Buch, also was habe ich gelernt, wie hat das Buch mich verändert Vielleicht habt ihr danach ja Lust, das ein oder andere Buch auch zu lesen. Oder wenn ihr die Bücher selbst schon gelesen habt und etwas hinzufügen wollt freue ich mich natürlich riesig über Kommentare 🙂

  • Hermann Hesse – Siddharta

Siddharta ist so ein Buch, zu dem ich irgendwie erst spät gekommen bin. Mehrere Leute haben es mir unabhängig voneinander empfohlen. Aber andere berichteten auch, dass sie enttäuscht vom Buch gewesen seien. Ich war also gespannt.

          Siddharta wurde 1922 erstmals veröffentlicht und handelt von einem indischen jungen Mann, der sich auf die Suche nach Erkenntnissen macht. Er wird als Sohn eines Brahmanen geboren – ein Mitglied der höchsten Kaste – und hat alles, was man zum Leben braucht. Er selbst ist aber sehr nachdenklich, unruhig und sinnsuchend. Gemeinsam mit seinem Freund Govinda schließt er sich schließlich den besitzlosen Samanas an, die asketisch leben. Siddharta fastet, meditiert und findet den Sinn des Lebens doch nicht. Leicht desillusioniert schließen sich die beiden jungen Männer einem Weisen an, der Nirwana (im Buddhismus das letzte Ziel, Zustand völliger Ruhe) erreicht hat, Gotama. Siddharta spürt, dass er nicht durch Erzählungen und Lehren anderer Sinn finden wird – er zieht alleine weiter, ohne seinen Freund Govinda. Nachdem Askese ihn nicht ins Nirwana gebracht haben entscheidet Siddharta fast trotzig jetzt alles voll auszukosten. Er erhält eine Ausbildung in Liebesdingen von Kamala, einer Frau die Liebesdienste erbringt. Ein reicher Kaufmann erkennt, dass er smart ist und macht Siddharta zu seinem Berater. Siddharta wird reicher – an Besitztümern und Einfluss; und lebt ein sehr ausschweifendes Leben.

Plötzlich findet er sich selber abscheulich, verlässt die Gemeinschaft und wünscht sich den Tod. Aber im Traum spürt er, dass alle bisherigen Stationen notwendig waren und gewinnt neues Vertrauen, dass alles gut wird. Siddharta beginnt bei einem Fährmann zu arbeiten. Er erfährt, dass er mit Kamala einen Sohn hat. Als diese stirbt, nimmt Siddharta den Jungen auf. Er liebt ihn sehr – obwohl der Junge wahnsinnig verwöhnt, trotzig und anspruchsvoll ist. Schließlich flieht Siddharta’s Sohn, weil er es in den einfachen Verhältnissen in der Hütte am Fluss nicht aushält. Siddharta ist furchtbar traurig und kann in diesem Moment die Verhaltensweisen und Gefühle der ‚normalen Menschen‘ erkennen. Er fühlt sich nicht mehr überlegen, nicht mehr verloren, sondern endlich als Teil des großen Ganzen. Govinda trifft Siddharta noch einmal und erkennt die Einheit und Vollkommenheit allen Seins: er spürt, dass dieser erleuchtet ist.

                    Ich habe ein bisschen länger gebraucht um das eigentlich recht dünne Buch zu lesen. Manche Stellen musste ich mehrmals lesen, um sie zu verstehen – und trotzdem habe ich nicht alles verstanden. Siddharta ist also – zumindest für mich – keine ganz so leichte Kost. Wenn ich eine Sache benennen sollte, die ich aus dem Buch mitgenommen habe, wäre das die folgende: Es macht keinen Sinn, auf dem Weg zur Zielerreichung – welches Ziel auch immer – alles konkret zu planen. Viel wichtiger ist es, neugierig, flexibel und offen zu bleiben für all‘ das Tolle was kommt. Siddharta hat sich so viel versprochen von den verschiedenen Stationen, danach war er immer enttäuscht, weil es nicht die gewünschte Erleuchtung gebracht hat. Am Ende hat es trotzdem geklappt und er hat Sinn gefunden. Und: es wird viele Menschen auf dem Weg geben, von denen man Dinge lernen kann. Aber es gibt nicht den EINEN Guru. Also auch hier, offen bleiben, Wissen und Erfahrung absaugen wo man kann, aber nicht vergessen, dass man am Ende selber verantwortlich ist.

  • Michelle Obama – Becoming

Michelle Obama’s Biografie ist eingeschlagen: schon zwei Wochen nach Verkaufsstart im November 2018 war es das meistverkaufteste Buch 2018. Auch in meinem Umfeld haben viele das Buch gelesen – inklusive Mama und Oma J Natürlich habe ich die Gelegenheit genutzt, meine Oma mal zu fragen, was sie davon hält. Super fand sie es, total interessant so viel über das Leben der First Family zu lesen, über den tollen Aufstieg aus kleinsten Verhältnissen und das immer noch so präsente Thema der Rassendiskriminierung. Auch mir hat das Buch gut gefallen. Was mich selber ein bisschen schockiert hat war das ich mir eingestehen musste, dass ich bevor ich das Buch gelesen habe, gar nicht wusste, was Michelle Obama studiert hat, was ihr Job war. Für mich war sie lediglich die ‚First Lady‘ an der Seite des Präsidenten – irgendwie auch bezeichnend.

          In ihrer Biografie erzählt Michelle Obama von ihrem Leben. Sie ist aufgewachsen am Rand von Chicago als Tochter einer Sekretärin und eines Facharbeiters, die die Kinder förderten so gut sie konnten. Michelle war sehr ehrgeizig, hatte beste Noten. Auf das Grundstudium in Princeton folgt ein Jurastudium in Harvard, dann Jahre als Anwältin in einer bekannten Kanzlei. ‚Bin ich gut genug?‘ ist die Frage, die sich Michelle immer wieder stellt, auch als sie es sich selber schon oft gezeigt hat. Als sie Barack Obama kennenlernt verändert sich ihr Leben schnell. Eine Buchstelle, die mir dazu sofort wieder einfällt ist die, an der Michelle ihren Ende-zwanzig-jährigen Freund in den frühen Phasen der Verliebtheit, nachts als beide im Bett liegen, fragt: „What are you thinking about over there?“ und er antwortet „Oh, I was just thinking about income inequality.“ Mit einem Menschen, der Nachts über Einkommensungleichheit grübelt, verheiratet zu sein und eine Familie zu gründen ist vermutlich nicht immer leicht. Sie erzählt detailliert vom Wahlkampf und dem Versuch, Familienleben und politische Karriere ihres Mannes unter einen Hut zu bekommen. Sie selbst hat sich auch immer stark involviert und nicht nur positive Kritik geerntet. Maskulin, hart, Gesicht wie ein Gorilla – so etwas über sich zu lesen ist hart, tut weh. Auch von der Zeit im Weißen Haus erzählt Michelle: die vielen Möglichkeiten, die daraus resultierten. Aber auch die Einschränkungen der eigenen Freiheit, die enorm sind. Deswegen ist es gar nicht so schwer zu glauben, dass sie sich nach acht Jahren Präsidentschaft freut, endlich etwas anderes als First Lady sein zu können.

          Ich habe das Buch gerne gelesen und einiges über das politische System in den USA gelernt. Aber ich glaube was mir am besten in Erinnerung bleiben wird, ist Michelle Obama’s Kampf gegen sich selbst beim Thema Berufswahl. Sie hat bereits während des Studiums gespürt, dass Jura nicht das Richtige für sie ist. Während der Arbeit in der Kanzlei wurde ihr immer bewusster, dass ihre Stärken eigentlich wo anders legen. Sie erzählt im Buch von einem ehemaligen Freund, der nach seinem Medizinstudium in Princeton erstmal als Maskottchen eines Sportteams gearbeitet hat. Damals hat sie sich darüber sehr geärgert, war irritiert und hat sich ihm überlegen gefühlt. Später reflektiert sie, dass ein ‚swerve‘ (Schlenker, Ausbrechen) wichtig ist. Wenn objektiv gesehen alles gut läuft ist es sehr schwer sich einzugestehen, dass man trotzdem etwas Anderes machen möchte. Als Michelle ihren Job in der Kanzlei gekündigt hat um in den Öffentlichen Sektor zu wechseln, hat sich ihr Gehalt halbiert und sie musste viele Fragen von Familie und Freunden beantworten. Auf sein Bauchgefühl hören und tun was man wirklich will kostet manchmal Kraft, ist es aber meistens wert.

  • Neale Donald Walsch – Conversations with God

Auf Bali habe ich einen Silent Retreat gemacht. Zwei Tage ohne Handy, Laptop und reden. Das lies natürlich eine Menge Zeit für lesen. Da der Ort an sich schon sehr spirituell war habe ich dort das Buch Conversations with God gelesen, in dem Neale Donald Walsch in Dialogform ein Gespräch wiedergibt, das er mit Gott hatte. Am Anfang war ich ziemlich skeptisch, aber ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen und finde, dass sich es definitiv lohnt es zu lesen, auch wenn man nicht gläubig ist. Und man muss auch nicht glaube, dass wirklich Gott zum Autor gesprochen hat, um ins Nachdenken zu kommen und Anregungen mitzunehmen

          Der Autor erklärt zu Beginn, dass er an einem dunklen Punkt in seinem Leben, an dem er beruflich erfolglos war und privat an dysfunktionalen Beziehungen verzweifelte, einen wütenden Brief an Gott schrieb und fragte, wieso für ihn einfach nichts funktioniert. Er erzählt, dass er daraufhin eine Stimme wahrnahm, die ihn fragte, ob er tatsächlich Antworten wolle. Als Neale das bejahte starteten die beiden in einen lang andauernden Dialog in dem er Fragen stellte und Gott antwortete. Daraus resultierten dann drei Bücher – Conversations with God ist das erste, in dem die Basis gelegt, ein grundsätzliches Verständnis geschaffen wird. Neale stellt eine Menge Fragen, die Gott und er nach einer generellen Einleitung durchgehen. Die erste Frage ist ‚When will my life finally take off? (…) Can the struggle ever end?‘. Neale ist unzufrieden mit seiner Situation und will endlich erfolgreich sein im Leben. Gott gibt eine sehr ausführliche Antwort, die im Kern sagt, dass man seine eigene Realität erschafft. Er spricht von dem Dreiklang von Seele, Geist und Körper – und sagt, dass eben auch Gedanken, Worte und Taten zueinander passen müssen, um erfolgreich Realitäten zu erschaffen. Wenn man von sich selbst denkt, dass man nicht genug ist, es nicht verdient hat erfolgreich zu sein, es nicht schaffen kann etc. – dann ist es auch nicht möglich, dass tatsächlich zu schaffen. Deshalb rät er Neale, sich ein Bild von dem Wunsch-Neale zu machen. Wie wäre er, wie wäre sein Leben, wenn der ‚take off‘ stattgefunden hätte? Was würde er denken, was sagen, was tun? Und dann soll er eben genau damit anfangen. In weiteren Kapiteln sprechen die beiden über glückliche und unglückliche Liebesbeziehungen und Reichtum und wie man ihn erlangt. Letztendendes kommt alles auf den Punkt zurück, denn Gott bereits bei der ersten Frage gemacht hat: wir selber entscheiden und haben es in der Hand.

          Vielen wird das Buch zu spirituell und abgehoben sein. Zwischendrin habe ich auch immer wieder gedacht ‚Ja klar, wenn es so einfach wäre.‘. Aber wenn man sich wirklich mal Zeit nimmt die Punkte sacken zu lassen, macht das alles erstaunlich viel Sinn. Aber hier muss wirklich jeder selber entscheiden, ob man sich darauf einlassen kann und will – ich glaube, es ist es wert. Das größte Learning für mich aus dem Buch ist, dass Beziehungen am besten funktionieren, wenn sich beide auf sich selbst konzentrieren. Klingt erstmal komisch, macht aber Sinn. Wenn man sich zu sehr auf die andere Person konzentriert (Was denkt sie, sagt sie, will sie, erwartet sie?) führt das zu nichts. Man verändert sich für eine andere Person und verliert sich selbst. Besser konzentriert man sich also auf sich selbst und fragt stattdessen, was man selber in Beziehung zum Partner ist. Nicht die Aktion eines anderen, sondern die eigene Reaktion zählt… wenn sich also jeder auf sich konzentriert, im Gleichgewicht bleibt und entsprechend konstruktiv und liebevoll auf den anderen reagiert… dann läuft es 🙂

Kategorien: Allgemein

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.