Ich wünschte heute wäre Weltgeschwistertag, dann würde dieser Post besser passen. Ist aber leider nicht, der ist erst am 10.April. Trotzdem geht es in diesem Artikel um Geschwister – primär um meine, aber auch generell um das Konzept der Geschwisterbeziehung an sich. Ich bin drei Jahre älter als mein erster Bruder. Als der zur Welt kam habe ich mich gefreut, sagt meine Mutter. Oder zumindest so getan, sie war sich nie sicher. In einem unbeobachteten Moment habe ich das ganz frische, kleine Baby allerdings ziemlich böse in den Arm gebissen … hat mir anscheinend nicht so ganz gepasst, dass da jetzt jemand anderes die ganze Aufmerksamkeit abbekommt.

 

Naja – heute weiß ich: Geschwister sind was Tolles! Und sie tragen aus meiner Sicht maßgeblich zur Entwicklung bei. Ich finde es total spannend, wie sich die Beziehung zwischen Geschwistern im Laufe der Zeit verändert. Es wird lange gestritten, meistens müssen erst alle aus der Pubertät raus sein, bevor man sich gegenseitig wirklich zu schätzen weiß. Aber in jeder einzelnen Phase kann man etwas anderes lernen…In der frühen Kindheit lehren Geschwister einen, dass man selbst nicht das Zentrum der Welt ist und man Aufmerksamkeit teilen muss. Man lernt aber auch, was man tun muss, um sich Gehör zu verschaffen und durchzusetzen. Außerdem helfen sie zu verstehen, dass man sich manchmal zurücknehmen muss und seine eigenen Neuigkeiten nicht erzählt, wenn jemand anders in dem Moment dringender gehört werden sollte. Meine Brüder und ich haben uns auch sehr gut das Streiten beigebracht. Wir sind uns nicht nur verbal, sondern auch körperlich echt hart angegangen. Wie oft ich gekämpft habe um unter der Bettdecke wieder hervorzukommen, nach Luft gerungen habe, geschrien habe, er solle mich doch endlich rauslassen. Ich habe auch gelernt mit Wut umzugehen und dem Gefühl, nichts gegen Ungerechtigkeit tun zu können. ‚Mama, Liesa hat angefangen.‘ Aber mich hinter dem Rücken böse angrinsen. Klassiker.

 

 

Mein kleinster Bruder ist sieben Jahre jünger als ich und hat mich Fürsorge gelehrt. Ich hab‘ sogar ein bisschen Muttergefühle für ihn, glaube ich. Immer wenn ich ihn wiedersehe, freue ich mich riesig und wenn ihm jemand was Böses will, drehe ich durch. Wenn er mir bei Whatsapp minutenlange Sprachnachrichten sendet und mir von seinem Tag erzählt, geht mir das Herz auf und Liebe durchflutet mich. Wenn er mir gelegentlich die kalte Schulter zeigt und so gar keine Lust auf meine Betüddelei hat, lehrt er mich, mit Zurückweisung umzugehen. Ein ‚Nein‘ ist kein ‚Nein, nie‘ sondern ein ‚Nein, nicht jetzt‘.

 

Lange Zeit war ich die ‚große Schwester‘ für meine Brüder. Das Vorbild, die es beiden irgendwie schwermacht, mit ihren ‚großen Fußstapfen‘. Seit einigen Jahren sind wir aber auf Augenhöhe – ich kann mindestens so viel von meinen Brüdern lernen, wie sie von mir. Unglaublich oft wende ich mich mit meinen kleinen und großen Sorgen an die beiden. Ich bedanke mich heute bei meinen Eltern für meine Geschwister und bei meinen Geschwistern für alles was war und alles was noch kommen wird. Und ich möchte euch heute dazu anregen, mal innezuhalten und zu überlegen was ihr an euren Geschwistern habt. Und falls ihr leider nicht das Glück habt, welche zu haben, denkt an die Freunde, die eure Ersatzgeschwister sind. Die Dinge, die meine Brüder für mich tun und für die ich Ihnen so dankbar bin können, natürlich auch andere leisten, Eltern, Partner, Freunde 🙂

 

 

Ich habe mir mal Gedanken gemacht.. Was ist so toll an unserer Geschwisterbeziehung, wieso sind meine Brüder Stars in meinem Leben:

  1. 96 Hours-Einsatz:
    Meine Brüder würden alles für mich tun. Keine Strecke ist zu weit, alles wird stehen und liegen gelassen, wenn es sein muss. Nicht, dass das jetzt ständig notwendig wäre. Aber die Gewissheit zu haben, dass es Menschen im Leben gibt, die denselben Aufwand betreiben würden, wie der verzweifelte Vater im Film 96 Hours ist sehr beruhigend und gibt Sicherheit.
  2. Größte Fans und härteste Kritiker:
    Meine Brüder sind extrem stolz auf mich, das weiß ich. Sie sind meine größten Fans und geben mit mir an (wenn ich nicht dabei bin). Sie begleiten mich zu Abschlussfeiern und freuen sich wenn ich erfolgreich bin. Das tut gut. Gleichzeitig sind sie meine härtesten Kritiker, die alles was ich tue auseinandernehmen und mich durch ihre teilweise sehr harten (manchmal zu harten, Jungs) Kommentare auf den absoluten worst case vorbereiten. Wer solche Geschwister hat braucht keine Feinde mehr. Auch dafür danke ich ihnen, immer auf alles vorbereitet.

    3. Lachflashs:
    Meine Brüder sind unglaublich witzig. Ich kenne wirklich wenig Menschen, die mich so schnell und einfach zum Lachen bringen können, wie die zwei. Die Witze sind noch nicht mal lustig, es irgendwie mehr die Art von Humor, die mich immer wieder umhaut. Oft auf meine Kosten, aber egal. Ich hole mir immer wieder meine regelmäßige Dosis
    Lachen bei den beiden ab

    4.Bedingungslose Liebe:
    Ich könnte was richtig Schlimmes anstellen und meine Brüder würden mir trotzdem nie den Rücken kehren. Selbst wenn wir uns streiten, nicht miteinander sprechen, was auch immer (und das kommt natürlich vor) – die Liebe ist immer da und wird nie in Frage gestellt. Die zwei würden sofort und immer für mich in jeden Krieg ziehen, ohne zu wissen ob ich Schuld hab oder nicht – ist doch egal. Dieses wunderbare Gefühl von maximaler Loyalität und bedingungsloser Liebe lässt mich leichter durchs Leben gehen, denn ich weiß, dass selbst wenn alles schiefgeht, ein paar (sehr wichtige) Dinge immer gleich bleiben werden.

Ich kann mir ein Leben ohne die beiden nicht vorstellen und hoffe, dass ihr alle auch solche Menschen in eurem Leben habt. Die Adventszeit ist doch eine super Gelegenheit, diesen Personen mal wieder zu zeigen, wie sehr ihr sie wertschätzt 🙂 Do it today.

 


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