Im August habe ich in Köln an einem zweitägigen Hypnoseseminar teilgenommen – eine sehr interessante Erfahrung, von der ich gerne erzählen möchte. Es gab zwei Gründe für meine Entscheidung, das Seminar zu buchen: erstens habe ich Raucher im engen Familienkreis, denen ich gerne durch Hypnose bei der Entwöhnung helfen möchte (sobald der Entschluss gefasst ist J) und zweites bin ich noch immer auf der Suche nach effektiven Entspannungstechniken, die für mich funktionieren. In dem Seminar sollten wir nämlich nicht nur die Hypnose anderer Menschen, sondern auch die Selbsthypnose lernen.  

Samstagmorgen ging es um 10 Uhr in einem Seminarraum im Süden Kölns los. Leider war am Wochenende der Veranstaltung ein Wahnsinnswetter und ich habe mich ein wenig geärgert, die komplette Zeit in einem Keller verbringen zu müssen. Naja – war dann eben so, das Beste draus machen. Wir waren insgesamt acht Teilnehmer – sieben Frauen und ein Mann. Die jüngste Teilnehmerin war erst 16 Jahre alt und hatte sich angemeldet, weil sie ein Schulprojekt zum Thema Hypnose machte. Der älteste Teilnehmer war 62 Jahre alt. Die Hälfte der Gruppe studierte Psychologie und hatte deshalb ein beruflich begründetes Interesse die Techniken zu erlernen. Ich muss sagen, dass ich skeptisch war, ob man nach zwei Tagen wirklich hypnotisieren kann. Vorweg: ich habe erfolgreich während des Seminars andere Teilnehmer in einen tranceähnlichen Zustand versetzt und war auch selber hypnotisiert. Um das richtig einzuschätzen muss man allerdings klarstellen, was Hypnose beziehungsweise Trance überhaupt ist.

Die meisten Menschen, denen ich von dem Hypnosekurs erzählt habe, haben ähnlich reagiert: eine Mischung aus Verwunderung, Belustigung und Skepsis. Wenn man Hypnose hört, denken viele an einen Zustand des vollkommenen Kontrollverlusts. Man gibt sich komplett in die Hände einer anderen Person und macht plötzlich komische Dinge – bellt wie ein Hund oder springt gar irgendwo runter. Das ist nicht Hypnose. Viel eher ist Hypnose in der Basisform eine Technik, die dabei hilft sich komplett zu entspannen. Wenn man den ‚Patient‘ irgendwann in diesem vollkommen entspannten Zustand versetzt hat, kann man als Hypnotiseur gewisse Reize setzen oder Veränderungen triggern (das nennt man den sogenannten Wirkdialog, dazu später mehr). Aber der Hypnotisierte ist zu jeder Zeit her seiner Sinne und bekommt auch alles mit. ‚Nee, danke, das mache ich nicht. Nachher wache ich nicht mehr auf.‘, hat eine Freundin gesagt, als wir darüber sprachen, ob man sich gerne mal hypnotisieren lassen würde. Auch das ist Quatsch. Das schlimmste was passieren kann, ist, dass man einschläft und wieder aufwacht, wenn man nicht mehr müde ist. Punkt.

In den Bergen kann ich super gut entspannend. Bei Hypnose auch 🙂

Wie funktioniert denn jetzt die Hypnose? Man beginnt mit der sogenannten Induktion – die Hypnose wird in mehreren Schritten eingeleitet. Hier geht es viel um zur Ruhe kommen und sich fallen lassen. Der Hypnotiseur erzählt dem Hypnotisierten mit Sing sang-Stimme eine Art Geschichte, benutzt bestimmte Sprachmuster und versucht durch Bilder den Zustand vollkommener Entspannung herbeizuführen. Hierbei muss man sich Zeit lassen, es kann teilweise schon länger dauern. Natürlich ist – wie so oft– die grundsätzliche Bereitschaft und Offenheit sich auf die Hypnose einzulassen die Grundvoraussetzung. Wenn die zu hypnotisierende Person Angst vor der Hypnose hat oder das Ganze nur lächerlich findet, wird es schwierig. Es gibt dann ein paar Tests, um zu prüfen, wie tief der Entspannungszustand bereits ist. Wenn man das Gefühl hat, die zu hypnotisierende Person ist entspannt genug, beginnt man mit dem sogenannten Wirkdialog. Den kann man flexibel gestalten, je nachdem was der Empfänger eben erreichen möchte. Man kann einfach positive Gefühle auslösen, das Selbstbewusstsein stärken oder – wenn man Erfahrung hat – eben auch versuchen Blockaden zu lösen oder die Ablegung schlechter Gewohnheiten zu triggern. Ein Grund für mich den Kurs zu besuchen war ja, dass ich Menschen in meinem Umfeld gerne bei dem Thema Rauchentwöhnung helfen möchte – von daher werde ich das definitiv demnächst mal probieren.

Das Seminar war sehr praktisch orientiert und wir haben uns mehrmals zu Paaren zusammengefunden und uns gegenseitig hypnotisiert. Das hat mal besser und mal schlechter funktioniert – in Summe war es aber schon sehr interessant zu sehen, wie gut es anderen Menschen gelingt mich trotz hohen Geräuschpegels und ungewohnter Umgebung in einen Zustand absoluter Entspannung zu versetzen. Deshalb bin ich froh, dass ich das Seminar besucht habe. Die Selbsthypnose habe ich seitdem einige Male angewandt und möchte sie jetzt zu einem festen Bestandteil meines Tages machen, denn das kurze Eintauchen in die Entspannung hilft mir total, tagsüber die halbleeren Batterien wieder aufzuladen.

Nach dem Seminar habe ich meine Brüder getroffen, die – natürlich – nur Spott für das Thema Hypnose und meine Teilnahme am Seminar übrig hatten. ‚Aber ich war viermal in Trance!‘, versuchte ich die beiden zu überzeugen. ‚Trance? Eine Stadt in Frankreich? Schön da?‘, entgegnete mein Bruder. So viel dazu – ich verstehe alle Hypnose-Skeptiker und ich behaupte auch nicht, dass man mit Hypnose alles erreichen kann – aber ich habe selber erlebt, wie gut die Technik beim Entspannen hilft. Wenn sich jemand als Übungsobjekt für mich zur Verfügung stellen möchte – meldet euch gerne! 🙂 🙂

Kategorien: Allgemein

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