Ihr Lieben! Diesen Blog habe ich gestartet um meine Gedanken zu teilen – aber auch um inspirierende Menschen, die tolle Dingen machen, vorzustellen, damit mehr Leute davon erfahren. Heute möchte ich euch wieder jemanden vorstellen – nämlich Anette, die 2014 den Verein Restlos Glücklich gegründet hat: ein Verein, der es sich zum Ziel gemacht hat, gegen Lebensmittelverschwendung vorzugehen. Anette ist Anfang vierzig, hat zwei Töchter und hat während der Gründung des Vereins als Fremdsprachenkorrespondentin gearbeitet. Für mich ist Anette eine wahnsinnige Inspiration – sie brennt für das Thema ‚Lebensmittelrettung‘ und hat in den letzten Jahren trotz einiger Hürden nicht von ihrer Mission abgelassen.

‚Die Gründung von Restlos Glücklich war mein Ausgleich für die Seele.‘

Ich treffe Anette an einem klirrend kalten Tag in Berlin in einem Café am Rosenthaler Platz. Sie hat ein ansteckendes Lächeln und Wärme in den Augen. Ich bitte sie, mir die Vereinsgeschichte mal von Anfang an zu erzählen – der Verein hat seinen Fokus in den vergangenen Jahren nämlich ein bisschen verändert. ‚Auf die Idee bin ich gekommen, als ich einen Zeitungsartikel über das dänische Restaurant ‚Rub & Stub‘ gelesen habe. Die haben Lebensmittel, die sonst im Müll gelandet wären, verwertet und leckere Gerichte gekocht.‘ Anette ist nach Kopenhagen gefahren, hat sich den Betrieb dort angeschaut und ist mit einem Plan im Kopf zurückgekommen. ‚Das hat für mich einfach so viel Sinn gemacht, dieses schwere, gesellschaftliche Thema auf eine positive Art anzugehen‘. Gesagt, getan. Gemeinsam mit ihrer Co-Gründerin Leoni, die zu der Zeit halbtags als Bildungsmanagerin gearbeitet hat, und weiteren MitstreiterInnen die nach und nach dazu kamen, gründet Anette Restlos Glücklich. Anette war damals halbtags beschäftigt, aber nicht wirklich glücklich im Job. ‚Die Gründung von Restlos Glücklich war mein Ausgleich für die Seele.‘, erzählt sie schmunzelnd.


Vorbereitung eines Dinner-Abends mit Koch Ulrich Beier (rechts) –
©Restlos Glücklich e.V.

Einfach war es natürlich nicht. Die beiden Gründerinnen hatten keine Erfahrung in der Gastronomie, da haben sich wahnsinnig viele komplexe Fragen gestellt. Viel haben sie sich selbst beigebracht. Außerdem gab es Unterstützung durch ein Stipendium vom Social Impact Lab in Kreuzberg, das Coachings und Infrastruktur zur Planung der Geschäftsidee beinhaltete. Natürlich ist ein solcher Verein auch auf Unterstützter angewiesen, die die Mission teilen: ‚denn’s Biomarkt‘ war von Anfang an der Haupt-Lebensmittelpartner der beiden Gründerinnen und die Verbindung besteht bis heute. ‚Die Idee war ein Restaurant zu eröffnen, in dem vorwiegend mit Resten hochwertige Gerichte gekocht werden und mit den Überschüssen aus dem Betrieb Bildungsarbeit an Schulen zu finanzieren. Das Restaurant lief gut und es gab große mediale Aufmerksamkeit. Das bedeutete natürlich viel größtenteils ehrenamtliche Arbeit – die Bildungsarbeit lief mehr nebenbei.‘, erinnert sich Anette. 2017 war dann das Jahr der Schicksalsschläge: der Koch – der auch das Herz des Restaurants war – ist plötzlich mit erst 29 Jahren gestorben. Gleichzeitig mussten sie die Räumlichkeiten verlassen. ‚Da kam einfach einiges zusammen. Das war keine leichte Zeit. Wir sind dazu übergegangen Dinnerabende zu veranstalten. Am schönsten war es im Sommer an den langen Tafeln in den Prinzessinnengärten zwischen den Gemüsebeeten.‘.

‚Wenn man bei jeder neuen Idee erstmal eine komplette Machbarkeitsstudie durchführt, bleibt Vieles in der Schublade.‘

Das war dann der Moment, in dem sich der Fokus von Restlos Glücklich verändert hat: die Bildungsarbeit steht jetzt im Vordergrund. Anette und das restliche Team organisieren aktuell halbtägige Workshops an Grundschulen in Berlin. Die Workshops dauern vier Stunden und beinhalten neben einem ‚theoretischen Teil‘ zum Thema Lebensmittelverschwendung auch ein gemeinsames Kochen aus überschüssigen Lebensmitteln. ‚Die Resonanz ist wahnsinnig positiv. Die Kinder haben einen Riesenspaß und erinnern sich noch Wochen später.‘, erzählt Anette strahlend. Es ist wirklich schön zu sehen, mit wie viel Begeisterung und Leidenschaft sie davon spricht. ‚School Lunch‘ heißt das Projekt, das Restlos Glücklich in Kooperation mit RaboDirect durchführt. Durch die Förderung von RaboDirect kann der Verein die Workshops kostenlos anbieten. Diese Kooperation kam zufällig zustande – Restlos Glücklich hat für RaboDirect in der Vergangenheit Caterings gemacht

School-Lunch an einer Grundschule in Berlin mit Köchin Maria Wagner – Eine Menge Lebensmittelreste und interessierte Kinder.
©Restlos Glücklich e.V.

‚Der Bildungsaspekt war uns von Anfang an wichtig. Wir haben uns gedacht, dass man bei den Kleinen ansetzen muss, die von Anfang an mitnehmen. So kann man Gewohnheiten beeinflussen. Bei mir zuhause wurde zum Beispiel nie irgendetwas verschwendet. Das prägt einen.‘, erklärt Anette. Viele Leute sehen gesellschaftliche Probleme und wollen diese angehen. Aber nicht jeder macht es. Woher hat Anette die Motivation genommen, den Schritt zu machen und die Idee umzusetzen? ‚Also ich glaube, wenn man eine Sache im Kopf hat für die man wirklich brennt, dann sollte man das einfach versuchen. Und außerdem: Wenn man bei jeder neuen Idee erstmal eine komplette Machbarkeitsstudie durchführt, bleibt Vieles in der Schublade. Einfach machen.‘, sagt Anette.

‚Zuhause werfen wir im Durchschnitt ein Viertel der eingekauften Lebensmittel weg. Wahnsinn!‘

Gewohnheiten aufbrechen, mit Mythen (Stichwort Mindesthaltbarkeit) aufräumen und gesellschaftliches Umdenken herbeiführen sind Dinge, die Restlos Glücklich und andere Engagierte versuchen. Wir leben im absoluten Überfluss, jeder Supermarkt muss alles anbieten, die Auslage beim Bäcker wirkt besonders verlockend, wenn sie prallvoll ist. Aber hinter jedem Lebensmittel steht so viel – nicht nur die weggeworfene Erdbeere an sich ist verschwendet, sondern auch die Ressourcen, die in Produktion und Transport geflossen sind. Unsere Umwelt und unser Klima leidet stark unter der Lebensmittelverschwendung. Und die Dimensionen sind erschreckend: Allein in Deutschland werden jedes Jahr etwa 18 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen. Private Haushalte und die Gastronomie verantworten davon fast die Hälfte. Das Kernproblem ist die mangelnde Wertschätzung. Wir sind es einfach gewohnt, dass wir alles immer sofort haben können. Wir müssen da umdenken und Lebensmittel als das begreifen was sie sind: etwas sehr Besonderes, unser Treibstoff, der uns ernährt. Diese Werte müssen wir auch unseren Kindern mitgeben – denn wir haben nur einen Planeten und wenn wir weiter so unglaublich übertrieben konsumieren, ist der bald durch. Toll, dass es Menschen wie Anette und ihr Team gibt, die sich dem Thema annehmen.

‚Die Einstellung der Menschen muss sich einfach ändern. Wir müssen Lebensmittel wertschätzen, denn dann schmeißen wir sie auch nicht so leichtfertig weg.‘

Restlos Glücklich adressiert ein zentrales, gesellschaftliches Problem vor dem sich niemand verstecken kann. Und wir können alle unseren Beitrag leisten, auch ohne gleich einen Verein zu gründen. Aber wir sollten definitiv alle umdenken und einfach mal ein bisschen wertschätzender konsumieren. Jeder Schritt für Schritt und so viel er kann.

Ein paar augenöffnende Fakten und Tipps für euch:

Fakten:

  • In Deutschland werden jährlich 18 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen. => Einordnen
  • Jeder Haushalt wirft durchschnittlich 25% der selber eingekauften Lebensmittel in die Mülltonne. => Klarmachen
  • Das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) gibt an, bis wann das Lebensmittel seine spezifischen Eigenschaften wie Farbe und Konsistenz MINDESTENS beibehält. Aber essen kann man es in vielen Fällen bedenkenlos noch viel länger. Nach Ablauf des MHD sollte man mithilfe seiner Sinne beurteilen, ob das Lebensmittel noch genießbar ist. => Menschenverstand benutzen
  • In 1 kg Weizenbrot stecken 1500 Liter Wasser, 0.6kg verursachtes Co2 und 3m² genutztes Weideland. => Wertschätzen

Tipps:

  • Einkäufe planen, mit Einkaufsliste einkaufen. Was brauche ich wirklich? Zuerst im Kühlschrank nachschauen was es da noch gibt und was man daraus noch zaubern könnte
  • Nicht zu viel auf Vorrat kaufen – man verliert sonst die Übersicht im Vorratsschrank und manches wird vielleicht vergessen.
  • Weiterverwerten: Brot wieder aufbacken oder Brotchips, Brotsalat, Armer Ritter, übrig geblieben Nudeln werden Nudelsalat…
  • Regional und saisonal kaufen – durch kurze Lieferwege sparen wir Treibhausgase und Lebensmittel bleiben länger frisch
  • Lebensmittel kaufen, die keiner nimmt – krumme Möhren, dunkle Bananen und andere Dinge kurz vor Ablauf des MHD – oft reduziert, da kann man sogar oft sparen!
  • Reste im Restaurant mitnehmen – das wirkt nicht ärmlich/bedürftig, sondern ziemlich cool. Wirklich, Oma! 🙂


Was sind eure Tipps und Tricks um Lebensmittelmüll zu vermeiden? Sharing is caring 🙂

http://restlos-gluecklich.berlin/ => Hier erfahrt ihr mehr über die Arbeit von ‚Restlos Glücklich‘ an sich

http://restlos-gluecklich.berlin/school-lunch => Hier gibt es Informationen zum von RaboDirect geförderten School Lunch Projekt an Berliner Grundschulen, das im kommenden Schulhalbjahr in die dritte Runde geht. Interessierte Lehrkräfte wenden Sich an Projektkoordinatorin Nina Schröder (nina.schroeder@restlos-gluecklich.berlin).

‚Taste the Waste‘ – Dokumentarfilm über Lebensmittelverschwendung von Valentin Thurn (2011)

https://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/WWF_Studie_Das_grosse_Wegschmeissen.pdf => Informative WWF Studie „Das große Wegschmeissen“


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