2019 – here we go. Heute fängt ein neues Jahr an – 1/365. Wir haben also 365 Tage Zeit, um dieses Jahr zu einem guten Jahr zu machen. Die Zeit rund um den Jahreswechsel nutzen viele Menschen um nachzudenken. Wie ist das letzte Jahr gelaufen? Was war gut, was war schlecht? Einige schreiben auch ihre guten Vorsätze für das neue Jahr auf. Was möchte ich anders machen? Was möchte ich erreichen? Super, dass die ruhigeren Tage genutzt werden um zu reflektieren und Konsequenzen zu planen. Aber eigentlich sollten das alle Menschen viel öfter machen, das reflektieren. Natürlich darf man es auch nicht übertreiben, das Leben ist zum leben da und Dinge müssen auch mal ganz unreflektiert passieren. Aber ich finde es wichtig, in regelmäßigen Abständen eine kurze Wasserstandsmessung durchzuführen und den eigenen Status Quo zu überprüfen.

Ich habe Menschen kennengelernt, die sind Künstler darin innere Stimmen verstummen zu lassen und Reflektion zu vermeiden. Der Blick wird nicht nach innen gerichtet und wenn man aus Versehen kurz doch reinschaut, wird schnell wieder weggeguckt – getreu dem Motto ‚Aus den Augen aus dem Sinn‘. ‚Ich stelle mir die schwierigen Fragen gar nicht erst. Viel zu anstrengend, die Antworten könnten ja dazu führen, dass ich was verändern muss.‘, sagte mir ein Freund letztens selbstironisch mit Augenzwinkern. Ja, das hat er etwas überspitzt ausgedrückt, aber am Ende tut er quasi genau das. Er ist einer der Kandidaten, die erst anfangen Dinge zu verändern, wenn es eigentlich schon eine gute Ecke zu spät ist. Irgendwie ist es ja auch sehr verständlich, dass Selbstreflexion oft vermieden wird. Der Prozess an sich ist anstrengend – man setzt sich mit schwierigen Fragen auseinander, die man nicht oberflächlich beantworten kann. Man muss ehrlich zu sich selber sein, Fehler und eigene Unzulänglichkeiten eingestehen. Das eigentlich schwierige ist aber nicht die Reflexion an sich, sondern was danach kommt: das Machen. Kommt nämlich nicht heraus, dass alles absolut super so ist, wie es ist, muss man Veränderung einleiten. Das können kleine Dinge sein, die man nach und nach angeht. Oder aber auch die großen Bretter: Jobwechsel, Trennung. Vielleicht gesteht man sich auch ein, dass man Hilfe braucht und vielleicht mal mit einem Psychologen oder Coach sprechen sollte. Vielleicht muss man toxische Personen aus seinem Leben streichen, mal ein paar ungesunde Verhaltensweisen ablegen oder sich endlich geistig von der aussichtlosen On-Off-Geschichte mit dem Vielleicht-Mädchen verabschieden. Jeder hat seine Baustellen. Und eigentlich kennt man sie auch – aber um sich wirklich klar zu machen, welche Dinge nicht irgendwie okay sind, sondern verändert werden müssen, braucht man Selbstreflexion.

Ein Selbstreflexions-Moment 2018 – Absolute Ruhe um 5:00 Uhr morgens, auf einer philippinischen Insel

Ich habe mal überlegt, welche Fragen ich mir regelmäßig stelle beziehungsweise welche Fragen es braucht, um eine holistische Status-Quo-Messung durchzuführen. Mein Vorschlag sind die folgenden drei Fragen – vielleicht kann man sich die einfach einmal im Quartal stellen.

  1. Bin ich gerade glücklich?

    Wie fühle ich mich? Bin ich jetzt in diesem Augenblick glücklich? Und wenn nicht, was steht zwischen mir und der absoluten Zufriedenheit? Was macht mir gerade Sorgen, was stimmt mich bedrückt, wonach sehne ich mich? Wenn man sich diese Fragen stellt und beantwortet, hat man gute Chancen zu seinem Gefühlsleben vorzudringen und die Schicht des ‚oberflächlichen Funktionierens‘ zu durchbrechen. Es geht hier nicht darum irgendwelche Dinge zu verteufeln oder überhastete Kurzschlusshandlungen zu provozieren. Es geht mehr darum herauszufinden, was auf Schultern und Seele lastet und beschwerend wirkt. Macht der Job gerade unglücklich? Wünscht man sich generell mehr Freizeit? Ist die angespannte Situation mit der eigenen Mutter gerade belastend? Fühlt man sich allein? Hat man jemandem weh getan und das noch nicht aus der Welt geräumt? Einmal laut auszusprechen, was einen gerade darin hindert morgens glücklich aufzuwachen, hilft. Man kann die Sache dann angehen – mit kleinen und großen Veränderungsschritten. Wichtig ist nur, dass man sie angeht, denn das Jahr hat nur 365 Tage und jeder davon, an dem wir nicht zufrieden sind, ist doch irgendwie nicht optimal genutzt.

  2. Wenn ich auf Knopfdruck eine Sache verändern könnte, was wäre das?

    Mein Vater sagte vor einigen Tagen, dass er endlich wieder mit dem Sport anfängt – wenn unser Hund nicht mehr da ist, denn mit dem muss er morgens aktuell immer spazieren gehen. Ich kenne seine Antwort auf die Knopfdruck-Frage nicht, aber ich weiß, dass er gerne etwas fitter und schlanker wäre. Viele Menschen wollen aufhören zu rauchen, abnehmen, irgendeine Fähigkeit erlernen oder was auch immer tun. Der Prozess macht ihnen aber Angst. Wenn man sich selber mal fragt, was man gerne auf Knopfdruck verändern würde – wenn es überhaupt etwas ist – dann kommt man vielleicht den Punkten näher an denen man Dinge aufschiebt, herunterspielt oder sich und andere belügt. Der Punkt mit unserem Hund oben ist natürlich Quatsch und genau das: eine Ausrede, ein Aufschieben aus Angst. Es wird IMMER ganz viele Gründe geben, warum man etwas nicht tun kann. Aber das sind eben alles nur kleine Hindernisse. Gerade bei der Knopfdruck-Sache sollte man aufhören sich selber zu verarschen und einfach mal ins Machen kommen.

  3. Was sind meine fünf wichtigsten Werte? Lebe ich diese?

    Werte – das ist immer so ein großes Wort. Die wenigsten Menschen können auf Kommando ihre fünf wichtigsten Werte aufzählen. Aber es ist total wichtig klar zu wissen, was einem wirklich wichtig ist. Es gibt natürlich ganz viele Werte…Ausgeglichenheit, Beliebtheit, Disziplin, Familie, Fleiß, Freundschaft, Gelassenheit, Humor, Liebe, Loyalität, Macht, Perfektion, Produktivität, Selbstbeherrschung, Vermögen, Wachstum, Wohlstand und Zuverlässigkeit wären ein paar klassische Beispiele. Man findet sicherlich mehr als fünf Werte, die einem wichtig sind. Aber wir sollten wirklich mal versuchen, die fünf WICHTIGSTEN zu definieren. Und dann sollten wir uns im zweiten Schritt fragen, ob unser aktuelles Leben, unser Verhalten im letzten Jahr, zu unseren Werten passt. Ist für mich beispielsweise Familie ein zentraler Wert, habe ich aber meine Familie ständig depriorisiert, weil im Job so viel los war, habe ich ein Indiz dafür, dass ich eventuell was verändern sollte. Ist mir Nachhaltigkeit wichtig, aber kaufe ich zu viel Billigschrott ein und fliege ständig? Ist mir Freundschaft wichtig, aber sind meine Freundschaften eingeschlafen, weil mein Partner mein Bedürfnis in die Richtung nicht anerkennt? Ich könnte ewig weitermachen – jeder muss hier für sich selber schauen, was die Werte sind und in wie weit diese gelebt werden. Diskrepanzen zwischen Werten und Realität machen auf Dauer unglücklich. Klar, man kann auch seine Werte anpassen. Das passiert auch manchmal. Aber oft leben wir einfach mit dieser Lücke, die aus dem eigenen Verhalten, den Bedingungen in der Umgebung oder anderen Personen stammen kann. Es lohnt sich in jedem Fall mal die eigenen Werte auf der einen und die aktuell erlebte Lebensrealität auf der anderen Seite zu prüfen.

So, das waren drei tiefe Fragen, die einen definitiv etwa näher an den eigenen Kern bringen 🙂 Ich würde wirklich sagen, dass es Sinn macht, diese Fragen regelmäßig zu beantworten. Die Werte definieren muss man ja eigentlich nur einmal – dann beschränkt sich die Frage auf die Überprüfung, ob gesetzte Prioritäten und Alltag zu ihnen passen.

Heute beginnt ein neues Jahr, da kann man auch mal eine große Reflexionsübung einschieben. Da könnte man sich darüber hinaus noch folgende Fragen stellen:

  • Kenne ich meine Energiediebe? Was zieht mir viel Kraft? Wie kann ich diese Sache/n in Zukunft vermeiden oder reduzieren?
  • Kenne ich meine Energielieferanten? Was gibt mir Kraft? Wie kann ich diese Sache/n in Zukunft öfter in meinen Alltag integrieren?
  • Was kann ich tun, um das Leben für andere schöner zu machen? Wie kann ich einen Beitrag für mein Umfeld leisten?
  • Dreh mal die Zeit ein Jahr vor – was möchtest du in 12 Monaten über dieses Jahr erzählen? Was soll passiert sein, wie willst du dich entwickelt haben?
  • Wenn man meine/n Partner/in oder jemand anderen, der mir nahesteht, fragen würde, was an mir an meisten nervt, was würde die Person sagen? Hat sie Recht? Was kann ich tun, um an dieser Eigenschaft/Verhaltensweise zu arbeiten?

Das sind natürlich alles nur ein paar wenige Vorschläge, die Liste lässt sich ewig weiterführen. Ich wollte euch lediglich ein paar Inspirationen geben, wie man sich dem Thema nähern kann. Denn während einige in guter Verbindung zu sich selbst stehen, haben andere große Schwierigkeiten und spielen sich selbst Theater vor. Das geht eine Zeit lang gut, aber irgendwann kommen die Folgen. Deswegen ist es sinnvoller, sich gelegentlich mal ein Stündchen zu nehmen, einen Spaziergang zu machen und den Blick nach innen zu richten. Es lohnt sich.

In diesem Sinne – ein frohes neues Jahr 2019. Ich wünsche allen nur das Beste.

Kategorien: Allgemein

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