Je weiter das Leben fortschreitet, desto mehr Stationen durchläuft man. Schulzeit, Bachelor, Master (inklusive Auslandssemester) und dann der Eintritt ins Arbeitsleben. Wenn man so viel Glück hat wie ich, lernt man an jeder Station tolle Leute kennen. Aber das Leben geht weiter, jeder geht seinen Weg und man sieht sich nicht mehr so oft. Insbesondere Freundesgruppen kommen vollzählig nur noch sehr unregelmäßig zusammen… finde mal einen Tag an dem 5+ Leute, die in verschiedenen Städten leben, zusammenkommen können. Wenn es dann aber klappt, sind solche ‚Réunions‘ immer schön und besonders. Irgendwie komisch, dass es doch eigentlich immer wieder schön ist und ‚funktioniert‘ – wobei jeder Einzelne sich doch weiterentwickelt hat, verändert hat. Was macht Réunions so besonders? Wieso funktionieren sie?

 

Ich komme gerade frisch von meiner letzten Réunion – ein gemeinsames halbes Wochenende mit der Mannheim-Crew. Etwas mehr als 24 Stunden gemeinsame Zeit, aus der wir definitiv alles rausgeholt haben. Mit dieser Erfahrung im Rücken habe ich darüber nachgedacht, was diese Réunions so kraftvoll macht. Klar, grundsätzlich ist es einfach schön eine gute Zeit mit alten Freunden zu verbringen. Aber hinter der Magie von Réunions steckt noch mehr… Mir sind drei Gründe eingefallen:

 

 

  1. Gemeinsame Werte, Ansichten und Vorlieben: Neben der gemeinsamen Geschichte hat man in einer Gruppe in der Regel auch mal mindestens ein paar Werte und Ansichten, die man teilt. Das hat einen ja erst zu einer Gruppe gemacht, die sich so gut versteht, dass man sich wiedertreffen möchte. Wer gemeinsam studiert, hat eventuell ähnliche Interessensgebiete und Ziele. Problematisch kann es werden, wenn sich Personen komplett unterschiedlich entwickeln. Ein bisschen Vielfalt macht es interessant und man findet ja trotzdem noch genug Gemeinsamkeiten, sei es die gemeinsame Episode in der Vergangenheit. Aber fundamentale Unterschiede in den Überzeugungen und dem Lebensmodell können Réunions auch anstrengend machen und Gruppen sprengen. Da muss man dann natürlich auch selber ehrlich zu sich selber sein.

 

  1. Gemeinsames Leiden: Alle Wiedersehens-Treffen mit alten Freunden und Kollegen von einer früheren Station im Leben haben eins gemeinsam: mindestens einmal erinnert man sich gemeinsam an alte Zeiten. ‚Weißt du noch, die Nacht in der wir bis 4 Uhr gearbeitet haben um die Unterlage noch fertig zu kriegen?‘. Man hat gemeinsam was erlebt, nicht nur Positives. Man hat gemeinsam gelernt, dieselben Klausuren geschrieben und das Semesterende ausgiebig gefeiert. Mit Arbeitskollegen hat man für Projektmeilensteine Nachtschichten geschoben, heimlich Fehler ausgebügelt und die ein oder andere absurde Situation erlebt. Das gemeinsame Leiden schweißt irgendwie zusammen – auch wenn die Leben aller Gruppenmitglieder seitdem ganz anders verlaufen und sich selten kreuzen.

 

  1. Nostalgie: Wie erwähnt schweißt gemeinsames Leiden zusammen und auf fast jeder Réunion werden alte ‚War Stories‘ besprochen. Aber im Nachhinein redet man oft viel positiver über vergangene Zeiten, gerade schon verklärt. Lass uns doch mal ehrlich sein, manche Zeiten waren echt scheiße, manche Situationen haben sich furchtbar angefühlt und hätten so nicht laufen sollen. Trotzdem erwische ich mich – als Teil verschiedener Gruppen – dabei, im Nachhinein die Vergangenheit zu glorifizieren und negative Erfahrungen auszublenden oder zu beschönigen. Komisch irgendwie, aber wahrscheinlich normal und eine Maßnahme des Seelenschutzes J Und Nostalgie ist definitiv mit dafür verantwortlich, dass wir Réunions so lieben. In Mannheim über den Schlossplatz (Bachelor) laufen oder in Frankfurt dieselbe Laufstrecke laufen wie früher (Arbeit) weckt nostalgische Gefühle – auch wenn an beiden Orten wirklich nicht immer alles gut war.

 

Réunions sind schön. Ich freue mich schon auf die nächste – im Februar steht wieder eine an. Aber alle Menschen, die das Gefühl haben, dass sie zu irgendeiner Gruppe einfach nicht mehr passen und Gruppentreffen nicht genießen können, müssen sich nicht schlecht fühlen – ist auch okay, wenn man sich trennt. That‘s life.

Schöne Woche euch allen.

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