Jetzt bin ich schon ein paar Wochen wieder in Deutschland und mitten im Alltag – fühlt sich sehr gut an. Trotzdem vermisse ich die Truppe aus China und das leckere chinesische Essen. Für mich ist in den nächsten Monaten erstmal Deutschland angesagt, da wird sich wieder gut Fernweh aufbauen… Jetzt erinnere ich mich aber noch einmal an China zurück und berichte von der letzten von drei Wochen, die wir in Shenzhen und Shanghai verbracht haben.

Schick gemachte Jungs der Truppe auf dem Weg zum HQ von Tencent

In Shenzhen haben wir die letzten Nächte in einem Hotel verbracht, das Huawei gehört und sich in unmittelbarer Nähe zum Firmengelände befindet. Das war super, da wir zwei volle Tage dort verbracht haben. Am ersten Tag haben wir eine Campustour gemacht und einiges über die Firma und ihre Kultur lernen können. Ich habe ehrlicherweise vor der Reise gedacht, dass Huawei nur Handys macht – und die auch vermutlich nicht so gut sind wie Iphones. Dann kam natürlich noch der Handelsstreit zwischen China und der USA und die Sanktionen gegen Huawei dazu. Mehr wusste ich allerdings nicht. In China merkte ich dann, was der Konzern wirklich alles macht: deutlich mehr als nur Smartphones produzieren. Huawei ist ein Technikkonzern, der weltweit die 5G-Entwicklung anführt, mit der 6G-Forschung auch schon vor einer Weile angefangen hat und in vielen anderen Bereichen forscht. Die Firma hat eine besondere Philosophie, die Mitarbeiter sind sehr loyal und fühlen sich dem Unternehmen verbunden, wie in einer Familie. Auf dem Campus gibt es Wohnungen für die Mitarbeiter, ein eigenes Krankenhaus und administrative Stellen. So geht alles schneller – in einem bevölkerungsreichen Land wie China muss man sonst häufig lange warten. Ein Grund für die hohe Loyalität mag sein, dass über 90‘000 der 188‘000 Mitarbeiter Unternehmensanteile halten. ‚If you treat your employees like employees, they will act like employees and leave at 5pm. If you treat your employees like partners, they will behave like partners and go the extra mile.’, erklärt Huawei’s Deputy CEO in Deutschland, David Wang. Wir haben uns auch eine Produktionshalle angeschaut, in der ein bestimmtes Smartphone produziert wird. Alles hoch technisch mit Industrierobotern und Postern an der Wand: employee of the month – Mitarbeiter des Monats. Motiviert wird hier viel durch öffentliche Anerkennung, das Konzepts des ‚Gesichts‘ – im übertragenden Sinne die soziale Stellung einer Person – ist in China sehr wichtig. Sein Gesicht beispielsweise durch öffentliche Kritik zu verlieren ist eine schlimme Vorstellung für Chinesen. Eine Busfahrt später sind wir auf dem neuen Campus, der europäischen Städten nachempfunden ist. Huawei Gründer Ren Zhengfei war früher länger in Europa und hat dort Inspiration gefunden, die er gerne auch seinen Mitarbeitern nah bringen willen. Deshalb hat er Bauwerke aus Städten wie Paris oder Heidelberg nachbauen lassen. Mit einer Eisenbahn fahren wir durch Little Europe – schön, aber auch etwas komisch. 25000 Mitarbeiter aus dem Bereich Forschung & Entwicklung sind hier stationiert und sollen kreativ sein, mit über 15 Milliarden Dollar Investment in 2018. Bisher scheint das ganz gut aufzugehen – 5G ist fertig und Huawei forscht bereits an 6G. ‚There is a significant share of our R&D employees who work on a plan b. Everything they develop might never see light, because it is only meant as a back-up solution in case plan A does not work out.’, berichtet David Wang. Nach allem was ich gesehen habe, vermute ich, dass es sogar auch noch Plan C gibt – und selbst der mehr als das ist, was wir in Deutschland parat haben.

Führung bei Huawei in Shenzhen

Unsere letzte Station auf der dreiwöchigen Reise war dann Shanghai. Auch hier war ich 2012 schon einmal, aber nur recht kurz. Wir hatten Zeit für Sightseeing, sind bei bestem Wetter am Wasser entlangspaziert und den Shanghai Tower – das zweithöchste Gebäude der Welt – hochgefahren. Ich habe mir auch das lokale Büro von der Firma in der ich arbeite mal angesehen – richtig cool! Da komme ich gleich wieder ins Nachdenken, ob ein längerer Aufenthalt in China nicht doch nochmal richtig cool wäre.

Nach der Beschreibung unserer letzten Woche jetzt zu den Learnings. Was habe ich mitgenommen, worüber habe ich in den letzten Tagen China nachgedacht?

  • Kommunikation hilft: Ich habe während den letzten Tagen in China viel darüber nachgedacht, was ich dazu beitragen kann, dass sich die Menschen in Deutschland öffnen und China aus der Schublade, in die sie es gesteckt haben, herausholen. China ist nicht mehr die verlängerte Werkbank Deutschlands und das Leben in China ist aufgrund der kommunistischen Führung auch nicht furchtbar. Natürlich läuft nicht alles perfekt in China und es gibt viele Dinge, die ich kritisch sehe. Man muss aber auch anerkennen, dass andere Kulturen und andere Realitäten (1.4 Milliarden vs. 80 Millionen Menschen) andere Systeme brauchen, um zu funktionieren. Ich plädiere nicht dafür, alles durch die rosarote Brille zu sehen – aber dafür, aufeinander zuzugehen und mehr miteinander zu sprechen. Kommunikation mit Menschen, die aus anderen Kulturkreisen kommen, ist manchmal kompliziert oder sogar anstrengend. Es ist aber – wie beinahe jeder Schritt aus der Komfortzone – sehr nützlich und hilft bei der eigenen Weiterentwicklung. Als Individuum oder auch als Land. Ich hoffe, dass ich dabei helfen kann, die Distanz zwischen China und Deutschland zu verringern.
  • Was ein Leben: In der letzten Woche in China habe ich öfter an Zuhause und den anstehenden Rückflug gedacht. Ich habe Termine für die Woche nach der Rückkehr gemacht und mich auf meinen Alltag in Köln gefreut. Das war ein schönes Gefühl. Ich habe einmal mehr realisiert, was für ein wunderbares Leben ich führe. Ich habe jeden Moment der Reise genossen, alle Eindrücke aufgesaugt und war sehr dankbar, so eine tolle Erfahrung machen zu dürfen. Gleichzeitig habe ich mich sehr auf zuhause gefreut, denn auch mein Alltag ist spannend und zuhause warteten meine wunderbare Familie und meine tollen Freunde auf mich. Große Dankbarkeit 🙂
Die ganze Truppe in Shanghai
  • Tolle Klassenfahrt: Ich bin viel unterwegs und häufig allein – und genieße das meist sehr. Während ich 1:1 Situationen, in denen ich mich auf eine andere Person konzentriere sehr mag, wird es für mich in großen Gruppen schnell anstrengend. Ich hatte deswegen Respekt davor, drei Wochen mit einer Gruppe fremder Menschen zu verbringen. Noch dazu mit einem vollen Tagesplan und im Doppelzimmer. Ja, es war auch manchmal anstrengend für mich aber trotzdem muss ich in Summe sagen, dass ich eine ganz wunderbare Zeit in dieser Gruppe hatte und es echt vermisse. Wir waren eine bunt gemischte Truppe, von 20 bis 37 Jahre alt, von der Medienstudentin bis zum promovierten Physiker. Jeder hat seine Macken, aber wir haben gut harmoniert und hatten eine Menge Spaß zusammen. Insbesondere geschätzt habe ich die Toleranz und Offenheit, die in der Gruppe herrschte. Niemand wurde für irgendetwas verurteilt und es gab keinen Druck, irgendetwas zu tun oder zu lassen. Super angenehm! Ich freue mich schon auf baldige Alumni-Treffen <3

    So, das waren also meine 3 Wochen in China mit Huawei. Wer mehr hören möchte oder Fragen hat – einfach melden 🙂
Kategorien: Allgemein

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