Vor drei Wochen haben wir unser Barre-Studio ‚GlowBarre‘ eröffnet. Das erste Mal darüber gesprochen haben Christina und ich im Juli 2019, als sie mich mit dem Gefühl, dass Barre noch nicht so ganz in Deutschland angekommen ist, ansprach. Ich könnte wahnsinnig viel über den Gründungsprozess, Probleme, Learnings und Erfolge schreiben und vielleicht werde ich das in den nächsten Monaten auch noch tun – auch davon abhängig wie sehr das euch interessiert. In diesem Post konzentriere ich mich aber auf ein spezielles Thema im Kontext der Gründung: das Selbstvertrauen.

Ich glaube, um überhaupt ein Unternehmen zu gründen, muss man ein wenig an Selbstüberschätzung leiden. Man muss ja irgendwie glauben, dass man eine Idee hat die sonst keiner hat oder in der Umsetzung besser ist als andere. Christina und ich sind Unternehmensberater, das heißt wir haben jetzt auch nicht mit dem Plan gegründet, dass wir beide unser Leben lang in dem einen Studio sitzen, gemeinsam oder abwechselnd. GlowBarre Cologne soll das erste von vielen Studios sein – idealerweise, wenn alles passt :). Spätestens jetzt rollen manche Menschen die Augen: Leute, bringt doch erstmal eins ans laufen. Ja klar, das ist auch ganz klar der Fokus. Aber dann wollen wir relativ schnell Fahrt aufnehmen. Dass das super anstrengend wird und wir unter Umständen auch kräftig auf die Nase fallen? Ja, klar – kann sehr gut sein. Aber wir glauben, dass es eine Chance gibt, dass wir es schaffen. Selbstvertrauen? Selbstüberschätzung? Eine feine Linie… Bevor wir im September 2019 endgültig gesagt haben, dass wir das machen, haben wir schon gut überlegt und viele Analysen gemacht. Das war keine Aktion ‚aus dem Bauch heraus‘. Aber komplett sicher, dass etwas klappt, kann man sich eben nie sein. Ich hatte lange Angst, dass das Verlustpotential zu hoch ist und ich nachher viel Geld verliere und mich ärgere. Auch das haben wir versucht zu quantifizieren, um einen realistischen Blick zu entwickeln. Welche Summe ist weg, wenn wirklich alles schiefgeht? Auch in der ersten Phase der Umsetzung haben mich meine Zweifel und Ängste immer mal wieder eingeholt. Wir haben uns viele verschiedene potentielle Mietobjekte angeschaut und es gab kein ‚Liebe-auf-den-ersten-Blick‘-Objekt. Darauf hatte ich irgendwie gehofft, dass wir etwas finden, bei dem wir beide sagen: YES, das ist es! Leider nein – zu klein, zu groß, zu teuer, zu marode, falscher Boden, falsche Wände, zu lange Vertragsbindung, Lage nicht optimal. Immer war irgendwas. Jetzt haben wir uns niedergelassen, im Belgischen Viertel (Lage also TOP), aber einige andere Aspekte sind nicht optimal. Learning 1 also: Kompromisse machen. Ich hatte irgendwann das Gefühl, dass mich beziehungsweise uns als Gründer-Couple, die Motivation verlässt, wenn wir nicht Nägel mit Köpfen machen und uns für ein Objekt entscheiden – in dem Wissen, dass es nicht ideal ist. Als dann entschieden war, welches Mietobjekt es wird und damit einhergehend auch klar war, ab wann wir wirklich loslegen, gab es viele ‚erste Male‘ und viele Situationen in denen ich eine gute Portion Selbstvertrauen mitbringen musste. Verhandlungen mit Vermieter und Vormietern, Ausbilderin für unsere Coaches. ‚Bewerbungsgespräche‘ mit unseren Coaches, die wir innerhalb von wenigen Wochen finden mussten, damit wir den Betrieb überhaupt aufnehmen können. Denn selbst das schönste Studio läuft nur, wenn es Trainer gibt, die gute Arbeit machen. Sicheres Auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit – das sagt man Beratern in den ersten Berufsjahren ja oft nach. Was irgendwie blöd und nach ‚mehr Schein als Sein‘ klingt, ist eigentlich eine tolle Sache. Denn wenn man sich selbst einfach sagt: Klar kann ich das! – dann spürt man es auch, was wiederum die Ausstrahlung und irgendwo dann auch die tatsächliche Fähigkeit beeinflusst, zumindest bei Soft Skills. Auch wenn ich oft aufgeregt war – der Trick, mir selber vor Augen zu führen, was ich schon alles geschafft habe und klarzumachen, dass eigentlich gar nichts schlimmes passieren kann, hat geholfen. Man wächst mit seinen Aufgaben – so viele Floskeln heute, aber einfach wahr.

Wie geht man damit um, wenn Leute einen kritisch und zweifelnd fragen, ob das wirklich so eine gute Idee ist? Ich habe das Glück, dass meine Familie mich den ganzen Prozess hindurch wahnsinnig unterstützt hat. Nicht nur nachher im tatsächlichen Doing, also der Renovierung und Betriebsaufnahme, sondern auch vorher schon, mental. Ich komme aus einer Gastronomie-Familie, schon immer selbständig. Da ist keiner risikoavers und mir wurde vertraut, ich wurde ermutigt. Klar gab es ein paar Leute, die sich das alles gar nicht so gut vorstellen konnten oder mir sogar davon abgeraten haben, den Schritt zu machen. Aber die überwältigende Mehrheit meines Umfelds war positiv und unterstützend. Ich habe die Kritik und die Zweifel von anderen immer ernst genommen und für mich bewertet. Am Ende hat mein Glaube an die Idee einerseits und meine Fähigkeiten beziehungsweise meine Tatkraft und Energie andererseits schlummernde Zweifel überwogen.

Good morning Cologne, good morning Aachener, good morning GlowBarre!

Auch als wir dann die baldige Eröffnung des Studios öffentlich gemacht haben, war ich überrascht von dem Zuspruch von Leuten um uns herum. Menschen, mit denen ich seit vielen Jahren nicht mehr gesprochen habe, haben sich gemeldet und gesagt, wie toll sie das finden, dass wir den Schritt machen. Mutig, bewundernswert, toll. Ich habe mich über diesen Zuspruch natürlich sehr gefreut – so motivierende Worte bringen einen schonmal aus einem kleinen Tief heraus, das natürlich immer mal wieder kommt. Jetzt haben wir ein paar Wochen geöffnet und es waren schon viele Leute bei uns. Da ist aber natürlich auch noch einiges an Luft nach oben und es gibt Kurse, zu denen niemand angemeldet ist. Natürlich lässt mich das zweifeln und ich mache mir Sorgen, ob wir es mit unserem Konzept schaffen werden, unsere Kosten zu decken und Geld zu verdienen. Aber auch im Restaurant meiner Eltern gab es zu Beginn Tage, an denen wir keinen einzigen Kunden hatten, die Kellner aber natürlich trotzdem bezahlen mussten. So ist das nun mal – no risk, no return. Ja, das weiß ich natürlich, aber trotzdem gibt es Situationen in denen mich massive Zweifel überkommen und ich mich frage, wie wir auf die Schnapsidee kommen konnten. Hier hilft dann ein Gespräch mit Christina oder eine Runde laufen an der frischen Luft. Dann ist mein Selbstvertrauen schnell wieder hergestellt und ich freue mich auf die nächste Zeit und das Projekt ‚Kurse vollkriegen‘. Das hilft nämlich auch – das Ganze als das sehen was es ist: ein Projekt. Wir sind in der privilegierten Situation, dass ein Scheitern von GlowBarre uns nicht ruiniert. Eigentlich hängt recht wenig davon ab – klar eine Menge Geld wäre weg, aber wir sind gut ausgebildet und haben einen tollen Job, der uns relativ schnell wieder ausreichend Geld aufs‘ Konto spült. Und noch ein Level höher: wir reden nur über Geld. Das kann man natürlich auch erst so abgeklärt sehen, wenn man eine Zeit lang ausreichend davon hatte – aber es gibt so viele Dinge, die wichtiger sind…

Ein letzter Gedanke zum Thema Gründen und Selbstvertrauen – im Rahmen der Gründung von GlowBarre haben Christina und ich irgendwann entschieden, dass wir uns auch zu Coaches ausbilden lassen. Wissentlich, dass wir weniger Erfahrung haben als unsere Kolleginnen. Erfahrung ist die eine Sache, aber die Fähigkeit und den Willen schnell zu lernen und die Motivation, den Kursteilnehmern was Tolles zu bieten eine andere. Deswegen stehen Christina und ich jetzt auch im Trainingsraum und führen Mädels (und sehr selten auch Jungs) durch unsere Stunde – erfolgreich, wie das Feedback der Teilnehmer zeigt. Ich hatte großen Respekt vor dieser Aufgabe und habe aus meinem engen Umfeld hier zunächst ein zweifelndes (gut gemeintes) Feedback bekommen: Willst du das wirklich machen? Du kannst das doch gar nicht…. Ich habe mir das zu Herzen genommen, aber bin nicht von meiner grundsätzlichen Einschätzung abgewichen. Doch, ich kann das. Wieso nicht? Ich muss vielleicht etwas mehr üben als Menschen mit 15+ Jahren Erfahrung aber ich hab Lust und lerne schnell. Das Kundenfeedback gibt mir recht – und was ich euch damit sagen will ist: Leute, einfach machen! Es wird immer Zweifler geben und das ist auch gut so und viele Zweifel sind sicher auch berechtigt. Aber am Ende ist das Leben zum leben da und ich lerne gerade soooo viel aus diesen ganzen neuen Erfahrungen und kann das Grinsen nicht mehr sein lassen. Das würde ich nicht tun, wenn ich im August 2019 beim ersten Zweifel das Handtuch geworfen hätte. Dann gäbe es GlowBarre nicht. Oder wenn ich vor ein paar Wochen die Zweifel laut werden hätte lassen und mich entschieden hätte, keine Stunden zu geben. Dann hätte ich diese tolle Erfahrung jetzt nicht gemacht.

So – Schluss jetzt. Einfach machen, glaubt an euch. Ich wünsche euch allen ein so positives Umfeld wie ich es habe – und selbst wenn es nicht so ist, hang in there und lasst euch nicht beirren.

Happy Monday! <3

Kategorien: Allgemein

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