Es gibt so viele Filme und Bücher über die romantische Liebe – aber deutlich weniger über die platonische, freundschaftliche Liebe.

Da die Weihnachtszeit ja die Zeit der Liebe – egal welcher Art – ist möchte ich heute ein paar Gedanken zum Thema Freundschaft mit euch teilen. Freundschaft ist nämlich etwas ganz Besonderes, auch wenn sie grundsätzlich in unserer Gesellschaft oft als ‚zweitrangig‘ präsentiert wird. Schon lange dysfunktionale Beziehungen werden durchgeschleppt und diverse Dating-Apps bemüht – nur um das Ideal des ‚Lebens zu zweit‘ zu erfüllen. Versteht mich nicht falsch, Zweisamkeit ist wundervoll und wichtig. Aber die Freundschaft wird oft depriorisiert – sowohl als Thema in Abhandlungen als auch auf der Prioritätenliste im eigenen Leben. Aber wie wichtig und toll ist es bitte, gute Freunde zu haben, die mit einem diverse Lebensepisoden durchlaufen haben und in guten und schlechten Zeiten da sind?

Was ist denn eigentlich Freundschaft? Wikipedia sagt ein ‚auf gegenseitiger Zuneigung beruhendes Verhältnis von Menschen zueinander‘. Ich habe mal überlegt was Freundschaft für mich ist – und bin auf die folgenden drei (natürlich!) Punkte gekommen:

  1. Teilhabe

Vor einigen Tagen habe ich im Podcast ‚Hotel Matze‘ein Interview mit Henning May von Annenmaykantereit gehört. Er sagt dort: Freundschaft hat ganz viel mit Fragen zu tun. Ich habe über den Satz nachgedacht und finde, dass er zutrifft. Eine Frage wie ‚Wie geht es Dir?‘ oder‚Was gibt’s Neues?‘ öffnet die Tür für Berichterstattung, das Teilen von Erlebnissen und Dingen, die den anderen beschäftigen. Man kann dann entscheiden, was man teilen möchte, ob man eventuell auch Input braucht (siehe Punkt 2) –aber bekommt einfach erstmal die Erlaubnis zu reden.  Für mich ist die Teilhabe am Leben des anderen Menschen ein ganz wesentlicher Bestandteil von Freundschaft. Das heißt nicht, dass man jede Minute oder Stunde wissen sollte, was der andere macht. Aber eine gute Idee davon zu haben, was aktuelle Themen sind, ist schon wichtig. Oft sagt man ja, dass es bei wahren Freundschaften egal ist wie lange man sich nicht sieht und es ist trotzdem immer wie früher. Ich finde das stimmt nur teilweise.Klar, wenn man eine gewisse gemeinsame Zeit hatte und eine starke Basis aufbauen konnte, dann hält eine Freundschaft schon einiges aus. Aber meine wirklich guten Freunde wissen was bei mir passiert und was mich bewegt. Das kann man heutzutage ja auch über Whatsapp, Facetime und so weiter ohne ständiges Sehen schaffen. Eine meiner Freundinnen hat letztens festgestellt,dass es echt zulange her ist, dass wir detailliert gesprochen haben. ‚Jemand hat mich gefragt „Was macht Liesa so?“ und ich hatte einfach keine wirkliche Antwort. Das darf nicht nochmal passieren.‘ Gemeinsam haben wir entschieden,dass wir ab jetzt sicherstellen, dass wir übereinander Bescheid wissen. Weil Freundschaft eben immer eine Entscheidung ist.


2. Unterstützung

Nur wenn man es schafft in ausreichendem Maße am Leben des anderen teilzunehmen, kann man Punkt 2 leisten – Unterstützung. Für mich ist ein essentieller Bestandteil einer Freundschaft, dass man sich gegenseitig unterstützen möchte. Unterstützung geht im Kleinen los, beispielsweise indem man in mehr oder weniger schwierigen Lebenslagen Ratschläge gibt, sich gegenseitig Feedback auf Arbeiten und Texten gibt, bei der Umsetzung von neuen Plänen unterstützt oder auch einfach nur mit einer Flasche Wein parat steht,wenn es denn nötig ist. Aber Unterstützung geht auch größer: bislang sind in den meisten unsere Leben noch nicht wahnsinnig viele Schicksalsschläge passiert (auf Holz klopfen…), aber das wird sich ändern. Irgendwann werden unsere Eltern sterben. Wir werden unseren Job verlieren, uns scheiden lassen und Unfälle haben. Man kann nur hoffen, dass das Leben gnädig mit uns ist –aber manche Dinge werden einfach passieren. Und ich bin so unendlich dankbar, dass ich tolle Freunde habe, die mir beistehen werden. Gleichzeitig bin ich mir meiner Verantwortung bewusst, dass ich genau das auch zu leisten habe. Ich werde mein Bestes geben, meine Lieben – schaffen wir gemeinsam 🙂


3. Akzeptanz

Der dritte Punkt, der für mich für eine gute Freundschaft wichtig ist, ist Akzeptanz. Wir alle sind unterschiedlich und vor allem verändern wir uns auch alle im Laufe des Lebens. Manchmal sind Freunde überfordert, wenn man sich schnell verändert. Erste negative Reaktionen auf die Entscheidung das Auslandssemester weit weg zu verbringen oder einen lebensfüllenden Job anzunehmen, sind nicht selten in Verlustangst begründet. Ich habe mich letztens mit jemandem darüber unterhalten, der hat etwas sehr Treffendes gesagt: „Dein Umfeld will nicht, dass du dich veränderst. Denn Veränderung heißt auch für Freunde Stress. Sie wollen dich so behalten wie du bist.“ Ich glaube, dass er Recht hat – und diese Reaktion ist ja auch komplett menschlich.Allerdings bin ich überzeugt davon, dass wirklich gute Freunde bald ein Stadium der Akzeptanz erreichen. Man muss nicht immer gut finden oder verstehen was der andere tut, aber man sollte trotzdem hinter ihm stehen und nicht versuchen,Veränderung aufzuhalten. Bissige Kommentare oder noch schlimmer – völlige Ignoranz was ein bestimmtes Thema angeht – kann eine Freundschaft nach und nach vergiften. Akzeptanz heißt auch, auszuhalten, wenn in einem bestimmten Zeitraum ein anderes Thema wichtiger ist, sei es eine anstrengende Phase im Job oder frische Verliebtheit. Aber hier gilt es natürlich eine vernünftige Balance zu finden – das geht mal für eine Zeit gut, aber irgendwann muss man auch wieder Zeit in die Freundschaft investieren, wenn man sie erhalten möchte.

Wenn man es schafft in vernünftigem Maße am Leben des anderen teilzunehmen,Unterstützung zu bieten, wenn sie nötig ist und den anderen dabei so zu akzeptieren, wie er ist – dann hat man aus meiner Sicht alles, was es für eine gute Freundschaft braucht. Ehrlich gesagt ist das auch die Basis einer jeden guten Liebesbeziehung – natürlich in etwas anderem Ausmaße und mit ein paar Extraelementen 😉 Um Teilhabe und Unterstützung leisten zu können,muss man eine gewisse Bereitschaft zeigen und entsprechend priorisieren. Ich möchte euch heute daran erinnern, wie wertvoll echte Freundschaft ist. Priorisiert vernünftig und meldet euch auch in bewegten Zeiten bei euren Freunden. Nutzt die Kraft der einfachen Frage, um dem anderen Interesse zu signalisieren und Raum für Teilhabe zu geben.

Ich möchte die Weihnachtszeit nutzen, um einmal laut Danke zu sagen. Danke, an all‘ meine tollen Freunde, die mir den Rücken stärken und für mich da sind.  Danke, dass ihr euch meiner Problemchen annehmt und immer wieder einen Ratschlag habt. Danke, dass ihr achtminütige Sprachnachrichten ohne Murren hört und beantwortet. Danke, dass ihr meinen verrückten Lebensstil mitmacht. Danke, dass ihr mich in anderen Städten besucht. Danke, dass ihr mich an eurem Leben teilhaben lasst. Danke, dass ihr auf mich zu kommt und Fragen stellt.

Nutzt ihr doch die nächsten Tage auch mal um euren liebsten Freunden Danke zusagen. Sie werden sich freuen! 🙂

Kategorien: Allgemein

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.