Ich weiß noch, dass ich irgendwann früher als Jugendliche mal zu meiner Mutter gesagt habe: ‚Mama kannst du mir bitte verbieten zu dem Geburtstag zu gehen? Ich habe einfach keine Lust.‘ Meine Mutter hat mich ungläubig angeschaut und gesagt, dass ich doch nicht gehen muss, wenn ich nicht will. So einfach ist das. Leider in meiner Realität nicht immer. Ich habe in der letzten Zeit gelernt, öfter mal ‚Nein‘ zu sagen. Und noch wichtiger, ich habe gelernt, dass ich mich dafür nicht rechtfertigen muss.

 

Im Berufsleben muss man natürlich öfter mal etwas machen, auf das man nicht so große Lust hat. Im Idealfall hat man einen Beruf, den man so sehr mag, dass sowas selten vorkommt. Aber definitiv wird es Termine geben, zu denen man nicht unbedingt gehen möchte und sich überwinden muss. Im Privatleben sollte das ja eigentlich nicht so sein – aber ist es manchmal eben doch. Gerade wenn man unter der Woche viel unterwegs ist, viel arbeitet und somit wenig Zeit für sich selbst hat, hat man manchmal nicht so richtig Lust auf den ein oder anderen privaten Termin am Wochenende. Und das ist okay so und man darf auch ohne Begründung absagen und nicht teilnehmen. Was sich vielleicht erstmal ‚unhöflich‘ anhört, ist es eigentlich gar nicht. Ich rede nicht davon, dass man chronisch unzuverlässig wird und anfängt, Treffen last-minute unentschuldigt abzusagen. Ich meine nur, dass man sich nicht schlecht fühlen muss, wenn man an einem Abendessen nicht teilnimmt oder eine Party früher verlässt. Nicht um irgendwas zu erledigen oder woanders hinzugehen, sondern einfach um für sich zu sein.

 

Ich habe das Glück viele wunderbare Menschen zu kennen, mit denen ich sehr gerne Zeit verbringe. Darunter sind auch ein paar Gruppen, die sich immer gemeinsam treffen bzw. es versuchen.  Jeder kennt diese WhatsApp-Gruppen in denen sich ausgetauscht und Treffen geplant werden. Auch wenn solche Freundesgruppen schön sind und es auch toll ist, wenn man immer mal wieder in der kompletten Runde zusammenkommt, ist das einfach schwer umsetzbar. Teilweise kommt sogar ein richtiger Druck auf, dabei sein zu müssen – auch wenn man vielleicht manchmal gar nicht so große Lust hat. Versteht mich nicht falsch, ich liebe meine Freunde. Wenn ich nie Lust hätte, an den Treffen teilzunehmen, dann hätte ich die falschen Freunde – das ist auf keinen Fall so. Aber es gibt eben öfters auch mal Tage oder Abende, an denen ich einfach lieber andere Menschen treffe, zum Sport gehe oder einfach zuhause bleibe. Früher habe ich mich selbst dann oft entweder doch dazu gedrängt hinzugehen oder mich beim Nicht-gehen schlecht gefühlt, weil ich meine Freunde ‚im Stich lasse‘. Es gab sicher auch mal eine Zeit in der mich die klassische ‚Fear of Missing Out‘ – die Angst etwas zu verpassen – dazu brachte, doch auf jeder Hochzeit zu tanzen. Heute habe ich mich da weiterentwickelt – es stört mich kein bisschen, manche Dinge zu verpassen und ich habe realisiert, dass es sowohl für meine Freunde als auch für mich nichts bringt, wenn ich auf einer Veranstaltung auftauche, auf die ich eigentlich in dem Moment keine Lust habe. Qualität über Quantität – bin lieber seltener dabei, dann aber mit meiner ganzen Aufmerksamkeit und Energie.

 


Mein Top-Energielieferant – alleine an der frischen Luft laufen gehen

 

Vor einigen Wochen habe ich auf einer Veranstaltung eine Frau kennengelernt, die auf über 30 Jahre Berufsleben zurückblickt. Sie hat ein paar Ratschläge mit mir geteilt und einer davon bezog sich auf das Thema Energiemanagement. ‚Deine Energie ist das Wichtigste. Menschen mit hohem Energielevel können viel schaffen. Aber Du musst dir klarmachen welche Dinge dir Energie ziehen und welche Dir Energie geben. Und diese Energiediebe musst du dann so gut es geht meiden.‘ Ich fand das wirklich einen super Tipp und habe direkt überlegt, was meine Energiediebe sind. Gerade die Dynamiken in größeren Gruppen – die ja doch sehr stark von einer 1:1 Situation abweichen – strengen mich als introvertierte Person (haha, yes, komisch aber wahr) an. Und mittlerweile weiß ich, dass ich dem Drang dann die Veranstaltung verlassen  zu müssen nicht widerstehen muss, sondern es in Ordnung ist. Und es ist nicht nur in Ordnung, ich bin es mir selber und allen anderen sogar schuldig, denn ich kann nur eine gute Freundin sein, wenn ich meinen Energiehaushalt gut manage.

 

Also, meine Botschaft an euch: Habt kein schlechtes Gewissen, wenn ihr ab und zu mal ‚Nein‘ sagt. Auch ‚keine Lust‘ ist ein absolut ausreichender Grund für eine Absage. Und gleichzeitig, seid tolerant und verständnisvoll gegenüber euren Freunden, die vielleicht mal eure Einladung absagen. Es ist nicht persönlich gemeint, sondern dient eventuell einfach dem Schutz des Energiehaushalts 🙂


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