Ich bin in Köln geboren und am Stadtrand von Köln aufgewachsen. Mein Vater ist mitten in der Altstadt großgeworden, kennt jeden Winkel, viele tolle Geschichten und ohne Ende (manchmal zwielichtige) Menschen aus Köln. Ich hätte zu Beginn meines Arbeitslebens nach Zürich oder München ziehen können, oder sogar nach London oder Paris. Aber ich bin zurück nach Köln gekommen. Natürlich waren die Hauptgründe dafür meine Familie und meine Freunde, von denen fast alle hiergeblieben oder wiedergekommen sind. Aber auch Köln an sich hat mich angezogen. Ich habe mir mal Gedanken darüber gemacht wieso das eigentlich so ist. Was macht Köln aus? Wieso fühle ich mich hier so wohl?

 

  1. Köln ist herzlich, nicht anonymAls Unternehmensberaterin fahre ich ständig Taxi, meistens mindestens zweimal am Tag unter der Woche. Taxi fahren in Köln ist anders als in jeder anderen Stadt. Wenn ich Donnerstagabends am Flughafen in Köln-Bonn lande und ins Taxi steige begrüßt mich ein Fahrer, den ich noch nie zuvor gesehen habe mit: Mädsche, wo kann ich Dich hinfahren? – Wir sind per Du, gar keine Frage. Während der Fahrt erzählt mir der Fahrer von seiner Familie, sein Sohn ist krank, deswegen ist das grad was schwer mit der Organisation. Schön finde ich das, menschlich. Ich sitze nicht mit zerkräuselten Lippen und Kopfhörern im Ohr auf der Rückbank und lasse mich chauffieren, sondern unterhalte mich. Eine Woche später hat sich meine blonde Taxifahrerin an meinem Koffer fast den Rücken kaputt gemacht. ‚Ich hab‘ doch gesagt lass mich das machen, der ist schwer!‘, sage ich zu ihr, als sie stöhnt. Wir haben uns noch nie gesehen, aber sind uns irgendwie verbunden. Und ganz im Ernst, eigentlich sind wir uns ja alle irgendwie verbunden, ob Köln oder nicht. Ich liebe diese Menschlichkeit, das Verschwimmen jeglicher ‚Klassenunterschiede‘. Da wird mir immer sofort warm ums Herz wenn ich nach Hause komme. Mehr davon bitte.

 

  1. Köln ist aufgeschlossen, tolerant und gut gelauntVor einigen Tagen war ich mit einem Freund essen. Am Nachbartisch saßen zwei Frauen, den ganzen Abend sehr angeregt im Gespräch vertieft. Plötzlich ruft die eine laut auf: ‚Was soll das?‘. Neben den Frauen und uns saß ein Pärchen und ein Mann in der Nähe. Alle gucken hoch, schauen die Frauen an. ‚Ja, das war nämlich so… Mein Exfreund, mit dem ich seit einem Jahr nicht mehr zusammen bin und der schon eine neue Freundin hat, hat mir geschrieben, dass mein roter Lippenstift nuttig aussieht.‘, erklärt die eine Frau. ‚Ja, und als ich das gehört hab, hab‘ ich einfach laut ‚Was soll das‘ rufen müssen.‘, ergänzt die andere, noch immer entrüstet. Ich bin mir sicher, dass diese Szene in den meisten Städten völlig anders abgelaufen wäre. Der Ausruf der Frau wäre mit Augen verdrehen und Kopfschütteln quittiert worden. Hätte die Frau die Geschichte erzählt, hätte man ‚Aha.‘, gestammelt und sich pikiert angesehen. Nicht in Köln. Wir haben alle gemeinsam kurz über das Thema gesprochen, ihr beigepflichtet, dass der Typ komisch sei und weitergegessen. Auch das finde ich einfach schön. Man kann man selbst sein, man ist sich nah. ‚Drink doch ene met‘, heißt es im Kölschen Grundgesetz. Die Kölner – wir – sind offen und nehmen jeden gerne auf, abends ein Bierchen mitzutrinken. Sooo viel angenehmer als Zugeknöpftheit!!

 

  1. Köln ist bodenständig Köln ist nicht schön. Wir haben keinen englischen Garten, keine schönen alten Häuser. So richtig viel gibt es nicht zu sehen. Und auch die Kölner selber sind nach außen nicht ‚poliert‘ – wir sind einfach und entspannt. Manchmal hat das auch so einen leichten ‚Asi-touch‘. Wir sind auf jeden Fall nicht vornehm und auch nicht immer ordentlich, kontrolliert und perfekt. Letztens hat ein Mann, den eine Freundin gedatet hat zu ihr gesagt, sie sei ihm nicht ‚Düsseldorf‘ genug. Ich bin mir immer noch nicht hundertprozentig sicher wie er das meint, aber es ging wohl darum, dass er sich eine etwas feinere, schickere Frau an seiner Seite wünscht. Aha. Mag sein, jeder wie er mag. Ich bin ganz viel Köln – auf keinen Fall perfekt, aber ehrlich, herzlich und bodenständig – und das ist gut so 🙂

Ich sehne mich oft nach der weiten Welt und reise ganz viel. Vielleicht ziehe ich auch nochmal für ein Jahr nach London oder so, who knows. Es gibt schon Städte die kulturell einfach mehr zu bieten haben als Köln, das ist einfach so. Aber in Köln ist mein Herz und hier wird es auch immer sein. Und früher oder später komme ich vermutlich auch physisch wieder zurück.

Kategorien: Allgemein

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